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08.02.2001

19:14 Uhr

Analysten vermissen Alternative zum Börsengang von BT Wireless

Börse hat kein Vertrauen in die Pläne der British Telecom

Nach den Problemen der France Télécom mit dem Börsengang ihrer Mobilfunktochter Orange wachsen in der Londoner City die Zweifel an den Plänen von British Telecom. Auch die Briten wollen Aktien ihrer Mobilfunktochter BT Wireless auf den Markt bringen. Von der Emission hängt der dringend nötige Schuldenabbau ab.

fmd LONDON. Die British Telecommunications Plc (BT) tut sich schwer, das Vertrauen der Anleger und Analysten zurückzugewinnen. Gestern erlitt die Aktie des britischen Konzerns an der Börse bis zum späten Nachmittag einen Kurseinbruch um knapp 10 %. Der Markt nahm es dem Management offenbar nicht ab, dass der Konzernumbau nach Plan verlaufe.

Die Anleger fragen sich vor allem, ob es BT gelingen wird, den Schuldenberg wie geplant abzutragen. Der Konzern hat versprochen, die Verbindlichkeiten von rund 30 Mrd. Pfund (47 Mrd. Euro), die er im März erreichen wird, bis Ende des Jahres um 10 Mrd. Pfund zu verringern. Stützpfeiler ist dabei der geplante Börsengang der Mobilfunktochter im zweiten Halbjahr. Bis zu 25 % von BT Wireless sollen an die Börse geführt werden. Ende 2000 hatte BT erst 19 Mrd. Pfund Schulden.

Doch die Zweifel am Erfolg des Börsengangs wachsen, seit am Mittwoch die France Télécom die Preisspanne für die Aktien ihrer Mobilfunktochter Orange deutlich senken musste. Orange wird nun um rund zehn Mrd. Euro niedriger bewertet als zu Beginn der Zeichnungsfrist. France Télécom sei etwas optimistisch gewesen, sagte gestern BT-Vorstandschef Sir Peter Bonfield. BT habe konservativer geplant und müsse daher keine Veränderungen vornehmen. Ein Telekom-Analyst des Wertpapierhauses Nomura stufte allerdings den Wert von BT Wireless nach der Orange-Schlappe von 36 auf 29 Mrd. Pfund zurück.

Gegen die verschlechterte Marktstimmung konnte auch der neue Finanzvorstand Philip Hampton nicht argumentieren. Er rechnete vor, dass der Konzern durch die Börsengänge der BT Wireless und der spanischen Mobilfunkgesellschaft Airtel, an der BT 17,8 % hält, fünf bis sechs Mrd. Pfund einnehmen könne. Die bis zur Zehn- Milliarden-Pfund-Marke fehlende Summe wolle er durch Verkäufe asiatischer Beteiligungen außerhalb Japans einspielen. Das Management äußerte sich jedoch nicht zu der Frage, ob es Alternativpläne habe, falls es den Börsengang der BT Wireless aufschieben müsse.

Auch die Zukunft der Gelbe-Seiten-Tochter ist noch nicht endgültig geklärt. Ursprünglich wollte BT ein Viertel der Yell-Aktien an die Börse bringen. Doch jetzt könnte sich der Konzern auch vorstellen, 90 % der Aktien an die BT-Aktionäre auszugeben und nur 10 % zu emittieren. Per Saldo könnte BT so eine Mrd. Pfund einspielen.

Indessen mehren sich die Hinweise, dass BT auch die Dividende kürzen könnte. Zuletzt hatte das Unternehmen jährlich 1,5 Mrd. Pfund dafür aufgewendet. Hampton wies darauf hin, dass BT im Vergleich zu Konkurrenten eine relativ hohe Dividende zahle.

Auch das magere Ergebnis im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2000/01, das BT gestern bekanntgab, könnte für eine Dividendenkürzung sprechen. Der Konzern steigerte zwar den Umsatz im Vierteljahr zum 31. Dezember um 10,8 % auf 5,3 Mrd. Pfund, doch das Ergebnis vor Steuern und Sonderposten halbierte sich auf 326 Mill. Pfund. Dazu trugen die Zinslasten, die sich auf 364 Mill. Pfund verdreifachten, wesentlich bei.



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