Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2003

09:55 Uhr

Analysten verweisen auf den ungebrochenen Wachstumspfad

Beste Chancen mit asiatischen Aktien

VonOliver Müller

Anleger sind dieses Jahr in Asien außer Japan besser gefahren als anderswo - allerdings nur relativ. Denn auch dort verloren Aktien unter dem Strich an Wert, wenn auch weniger als in Ame-rika oder in Europa. Angespornt von der Wall Street zogen die Kurse zumindest im letzten Quartal des alten Jahres merklich an; allerdings hinkten sie beim Jahresendspurt denen an der Nasdaq und der NYSE klar hinterher. Dennoch erwarten Analysten, dass Anleger auch 2003 in Asien besser aufgehoben sind als anderswo.

HONGKONG. "Wo finden Investoren derzeit echtes Wachstum?" fragt Edouard Peter. "Nur in Asien," antwortet der Chef der Aktienabteilung der Deutschen Bank in Hongkong sich selbst. Gleichzeitig seien die Bewertungen sehr niedrig. Selbst ein schwacher Aufschwung werde Asienwerten daher enorme Hebelwirkung verleihen, ist Peter sicher. "Diese Bewertungen müssen internationale Anleger 2003 nach Fernost locken," glaubt auch Pieter van Putten, Asien-Chef des Fondshauses Morley. Nach den jüngsten Kursanstiegen in den USA und Europa sieht er in Asien das größte Kurspotential weltweit, vor allem wenn die US-Konjunkturdaten positiv bleiben.

Region ist extrem exportabhängig

Zu deren Taktstock tanzt die extrem exportabhängige Region. Amerikanische Konsumenten und mehr noch Firmenkunden entscheiden maßgeblich über das Tempo, mit dem Waren von Seoul bis Singapur vom Fließband laufen. Für alle Länder außer China und Indien sind Exporte so wichtig, dass sie auch ein elementarer Treibriemen für die Inlandsnachfrage sind. Analysten sehen deshalb in einer schwachen US-Konjunktur das größte Risiko für Asiens Börsen. Auch ein möglicher Irak-Krieg macht ihnen Sorgen, denn von steigenden Ölpreise wäre die rohstoffarme Region besonders betroffen. Gefahr droht auch aus Japan, dessen Wirtschaft bedenklich kippelt. Bricht der Yen ein, geraten Japans Nachbarn auf den Exportmärkten unter Druck. 10% Wertverlust des Yen kosten Asien 0,2% Wachstum, schätzt Salomon Smith Barney-Volkswirt Don Hanna.

Analysten-Konsens bleibt dennoch, dass Asien auch 2003 deutlich stärker wachsen wird als Europa und die USA. Die Weltbank erwartet ein BIP-Plus von 6,1%; UBS geht von 5,2% aus, gegenüber 2,9% in den USA. "Asien profitiert vom anhaltenden Trend zum Outsourcing und gewinnt laufend Anteile am Weltmarkt," erläutert UBS-Asienstratege Ian Mc-Lennan. Selbst wenn das Exportwachstum wie von vielen erwartet leicht abnehme, werde die Region 2003 daher gut abschneiden. Die Aktien von Auftragsherstellern - alles hauptsächlich IT-Werte - gefallen McLennan allerdings weniger: Der Wettbewerb bleibe so hart, dass die Margen trotz wachsender Umsätze weiter schrumpften. Der Stratege empfiehlt Anlegern, über Bande zu spielen und in Konsumwerte einzu-steigen, die indirekt von besseren Wirtschaftsdaten profitieren.

Großanleger haben in große Werte umgeschichtet

Diese Aktien schnitten im alten Jahr gut ab, haben aber im letzten Quartal deutliche Rückschläge erlitten, weil Großanleger in große, liquide, zyklische Werte umgeschichtet haben. "Die Bewertungen von Einzelhändlern, Nahrungsmittelherstellern und Autofirmen sind jetzt wieder attraktiv," findet McLennan. Allerdings ist Asiens Konsum-Sektor winzig, er macht kaum 10% der gesamten Marktkapitalisierung aus. "Anleger können das Thema aber auch über Finanzwerte spielen," rät McLennan. Die leiden derzeit zwar unter schwacher Kreditnachfrage der Wirtschaft. Aber sie wachsen mit Konsumentenkrediten und Hypotheken. McLennan erwartet für 2003 fünf bis acht Prozent Kreditwachstum für asiatische Banken, den Löwenanteil davon von Privatkunden. Konsum- und Finanztitel waren bis Mitte 2002 bereits der Renner in Korea; und McLennan glaubt, dass das selbe Phänomen im kommenden Jahr auf Malaysia, Thailand, Singapur, Hongkong und Taiwan übergreift. Die jüngste scharfe Korrektur bei Konsum- und Finanzwerten in Südkorea - aus Furcht vor steigenden Kreditausfällen - hält er für übertrieben. McLennans Lieblingstitel sind die Hite-Brauerei und der Autobauer Hyundai Motors in Südkorea, Malaysias Kasinobetreiber Genting, Taiwans China Trust Bank, die Bangkok Bank und Indian Tobacco.

Indien gefällt David Scott besonders gut. Der Asienstratege der Deutschen Bank sieht Deflationsdruck als großes Investmentthema für 2003 und rechnet mit einer Periode starken weltweiten Preisverfalls bei Fertigprodukten. Davon profitierten asiatische Hersteller insgesamt. Besonders Indien hat für Scott das Potential, nach China zur zweiten großen Quelle für Billig-produkten zu werden. Bei IT-Dienstleistungen ist das Land bereits ein Outsourcing-Star auf der Weltbühne, die Lohnkosten seiner Softwarehäuser liegen 90% unter denen ihrer US-Rivalen. Der stetige Gewinn von Marktanteilen rechtfertigt für Scott die relativ hohen Bewertungen dieser Titel, der Kursverfall des vergangenen Jahres macht Aktien wie Infosys und HCL Technology für ihn zu Kaufgelegenheiten. Ansonsten ist Scott ein Verfechter von Konsumwerten: Von Indiens boomendem Automarkt sollen Bajaj und Tata Engineering profitieren; wegen ihrer schnell wachsenden Kosumentenkredite empfiehlt der Stratege die Banken ICICI und HDFC.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×