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08.01.2001

13:07 Uhr

Analystenstimmen zu Daimler-Chrylser

Auf die Restrukturierung warten

VonFrank G. Heide

Anlässlich der Detroit Motor Show greifen die großen Automobilkonzerne tief in die Trickkiste und stellen neben verkaufsfähigen neuen Modelle zahlreiche spektakuläre Projektstudien vor, die viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Doch die visionären Entwürfe können kaum ablenken von dem ernüchternden Bild, das Analysten und Branchenexperten derzeit von der Autobranche zeichnen.

DÜSSELDORF. Vor allem die US-Hersteller wollen sich in Detroit gegen den erwartetet Absatzrückgang stemmen. Erst am Freitag hatte die Branchen-Beratungsfirma Autopolis in einer Studie für 2001 einen Rückgang in den USA um 10 % und für 2002 um weitere 8,5 % vorhergesagt.

Für das Gesamtjahr 2000 etwa sieht Branchenanalyst Klaus Weihermann von der WGZ-Bank die zu Jahresanfang ausgegebene Prognose von rund 2 % weniger Pkw-Neuzulassungen in Westeuropa als so gut wie bestätigt. Dabei werde Deutschland mit 11 % weniger Neuzulassungen (von Januar bis November 2000) jedoch deutlich schlechter abschneiden als erwartet. Für 2001 sieht der Analyst allerdeings wieder einen leichten Anstieg der Neuzulassungen in Westeuropa, wobei Deutschland eine Schlüsselrolle zukommen sollte. Aufgrund neuer Volumenmodelle, einem geringeren Angebot an attraktiven Gebrauchtwagen sowie einer Entspannung von Seiten der Benzinpreise sollte die Zahl der Neuzulassungen im Vergleich zum abgelaufenen Jahr wieder um etwa 6 % ansteigen. Weihermann erwartet keine größeren positiven oder negativen Impulse für die Branche, weist aber auf eine mögliche Stimulation der Verbrauchernachfrage durch die jüngste US-Zinssenkung hin, da die Leasingquote in den USA relativ hoch sei.

Analyst Sebastian Stein von der Bankgesellschaft Berlin glaubt, dass zumindest im ersten Quartal das Problem hoher Lagerbestände bei den "Big Three" (Daimler-Chrysler, General Motors, Ford) weiter bestehen dürfte. Die Bankgesellschaft Berlin rechnet mit einem unverändert schwachen US-Automarkt im kommenden Jahr. Die drei US-Hersteller hätten ihre Produktionspläne bereits reduziert. Dieser Trend sollte sich bis zur Jahresmitte fortsetzen und zu einer Normalisierung der Lagerbestände führen. In der Aktie von Daimler-Chrysler wird derzeit eine Halteposition gesehen. Man erwarte anlässlich der Bilanz-Pressekonferenz am 26.Februar die Vorlage eines detaillierten Restrukturierungsplans mit konkreten Zeit- und Zielvorgaben. Sebastian Stein: "Investoren sollten diesen Zeitpunkt und die Bekanntgabe der Pläne abwarten." Das derzeitige Kursniveau sollte zumindest kurzfristig nicht durch schlechte Nachrichten belastet werden, so der Analyst, es dürfte wohl bis Ende Februar nahezu unverändert bleiben. Privatanlegern, die Daimler-Chrylser-Aktien im Depot halten, rät er, zurzeit noch nicht nachzukaufen. Eine nachhaltige Erholung des Aktienkurses werde sich wohl noch hinziehen, immerhin könnte die Umsetzung der erwarteten Restrukturierungspläne wenigstens zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen.

Auch die Analysten der WGZ-Bank sehen keine außerordentliches Aufwärtspotenzial bei Daimler-Chrylser und stufen die Aktie derzeit als "Marketperformer" ein.
Die Analysten der BfG-Bank sehen die Aktie des Automobilherstellers "zunächst von hohen Unsicherheiten bezüglich der künftigen Geschäftswentwicklung belastet. Ihre Empfehlung: Nur unter mittel- bis langfristigem Anlagehorizont kaufen.

Nur sehr kurzfristig orientierten Anleger empfiehlt die Münchner Privatbank Merck, Finck & Co. die Aktien von Daimler-Chrysler zum Kauf. Die Aktie werde von der Automobilausstellung in Detroit profitieren, schreibt Pia-Christina Schulze in einer am heutigen Montag veröffentlichten Studie. Auf mittelfristige Sicht bliebe die Aktie jedoch ein "Underperformer". Zu den positiven Einflüssen rechnete die Expertin die Zinssenkung der US-Notenbank und die gedrosselte Produktion bei Chrysler. Jedoch könnte die Verringerung des Ausstoßes noch nicht ausreichend sein. Die Verluste, die Chrysler in den USA mit seiner altbackenen Produktpalette einfahre, belasteten zudem die Bilanz des Gesamtkonzerns, schrieb die Autoexpertin. Schließlich drohe eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Agenturen Moody's und Standard & Poor's.

Die Analysten der Hypo-Vereinsbank haben die Titel von Daimler-Chrysler am vergangenen Donnerstag auf «Überdurchschnittlich» von «Marktneutral» hochgestuft. Ähnlich wie bei BMW und Rover dürften sich mögliche interne Änderungen bei Daimler-Chrysler im Jahr 2001 noch vor Jahresfrist positiv auf den Kursverlauf auswirken, hieß es. Die Aktie sei derzeit unterbewertet und weise ein Kurspotenzial bis 49 Euro auf. Negative Perspektiven für die kommenden Jahre seien eingepreist. Chrysler sollte in der Lage sein, 2002 durch eine Entlastung der Aufwendungen für Preisnachlässe und Kaufanreize wieder einen operativen Gewinn von 1,2 Mrd. Euro zu erzielen. Das erwartete Ergebnis je Aktie nach US-GAAP für 2001 bezifferte die Bank auf 2,83 Euro und für 2002 auf 4,73 Euro.

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