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15.02.2002

00:00 Uhr

Anbringen von Qualifikationen an der richtigen Stelle sind das Kapital des Bewerbers

Gezielte Vorbereitung ist die halbe Miete

VonBernd Andersch (Karrierecoach und Inhaber von act! Andersch Consulting & Training in Aachen)

Ein Bewerber, der im Vorstellungsgespräch die richtigen Schlüsselqualifikationen nachweisen kann, hat gute Aussichten, ins Finale zu kommen. Die Gretchenfrage ist nur, was sind Schlüsselqualifikationen?

Vermeintlich überall brauchbare Eigenschaften wie Kommunikationsfähigkeit, Problemlösungsfähigkeit, Organisationstalent helfen da nicht weiter. Der Bewerber muss zeigen, dass er zur Gesamtphilosophie des Unternehmens passt, die Aufgaben der offenen Stelle erfüllen kann sowie die persönlichen und inhaltlichen Anforderungen abdeckt. Der Schlüssel hat halt bei jedem Unternehmen andere Zacken. Logisch - was sonst? Nur komisch, dass viele Führungskräfte beim Stellenantritt und-wechsel an dieser Binsenweisheit scheitern.

Erfolglose Bewerber liefern einen hohen Prozentsatz von Informationen, die die gesuchten Qualifikationen weit verfehlen, weil sie überhaupt nicht oder nur sehr indirekt zum Unternehmen, zu den Aufgaben und Anforderungen passen. Oder die Bewerber reihen inhaltlose Sätze aneinander, um im Vorstellungsgespräch Zeit zu schinden. Erfolgreiche Bewerber dagegen vermitteln den Eindruck, maßgeschneidert für die offene Stelle zu sein.

Was fehlt den weniger glücklich agierenden Bewerbern? Sie sind sich oft ihrer eigenen Qualifikationen und Erfahrungen nicht bewusst. Auf die Frage des Interviewers "Welche Qualifikationen und Erfahrungen bringen Sie für die neue Stelle mit?" können Bewerber oft nur zwei oder drei allgemeine Punkte nennen. Um auf weitere Fakten zu kommen, bedarf es bei vielen schon einer längeren Denkpause. Auch gestandene Praktiker mit umfangreicher Berufspraxis verlieren im Dschungel ihrer Erfahrungen den Überblick oder haben wichtige Ereignisse einfach nicht parat. Nach dem Gespräch kommentieren sie: "Ich kann mich schlecht verkaufen", "Ich war schlecht vorbereitet" oder "Ich hatte mir keine überzeugenden Argumente zurechtgelegt".

Gute Vorbereitung steigert die Chancen

Gute Verkäufer beschäftigen sich vor dem Verkaufsgespräch mit ihrem Produkt. Sie überlegen sich Argumente, mit denen sie den potenziellen Käufer überzeugen können. Wer als Bewerber Erfolg haben will, muss den gleichen Weg gehen. Erfahrung, fachliche Qualifikationen und persönliche Eigenschaften müssen im Kopf abrufbereit gespeichert sein. Kommen die Fragen des Einstellers, können gut vorbereitete Kandidaten spontan mit passenden Kenntnissen aufwarten. Die Glaubwürdigkeit des Bewerbers wird so unterstrichen. Spricht etwa der Geschäftsführer mit einem Bewerber für die Position Organisationsleiter über das geplante Hochregallager, wird es nicht lange dauern, bis der seine Erfahrungen mit der Lagerwirtschaft und dem Management komplexer Projekte ins Gespräch einbringt. Das Vertrauen des Geschäftsführers in den Kandidaten wächst.

Bei vielen Bewerbern versagt die Intuition im Stress des Vorstellungsgespräches. Die Produktion schneller gedanklicher Höhenflüge fährt auf Sparflamme. Diese Bewerber sollten nicht auf Gedankenblitze setzen, sondern sich inhaltlich auf Interviews vorbereiten. Die praktischen und theoretischen Erfahrungen sowie die persönlichen Merkmale werden inventarisiert. Der Bewerber notiert zu jeder Lebenslaufstation Aufgaben und Projekte, an denen er mitgearbeitet hat. Zur gleichen Station listet er konkrete fachliche Qualifikationen und persönliche Eigenschaften auf, die er sich hier angeeignet hat oder anwenden musste. Wer die Inventarisierung gewissenhaft vornimmt, wird leicht auf eine drei bis fünfseitige Inventarliste kommen. Neben den beruflichen Stationen dürfen Sie die Hobbies nicht vergessen. Um zu einem guten Ergebnis zu kommen, müssen Sie sich allerdings Zeit nehmen - für einen Nachmittag intensiver Denkarbeit. Dabei dürfte man auf rund 80 Prozent der relevanten Erfahrungen und Qualifikationen kommen. Im Verlaufe der nächsten Tage sollten Sie die Liste durch spontane Einfälle ergänzen.

Fazit: Gute, spontane Rhetorik ist ein günstiger Wegbereiter im Vorstellungsgespräch. Viele Worte nützen aber wenig, wenn sie an den gewünschten Schlüsselqualifikationen des Einstellers vorbeigehen. Damit der Bewerber im Interviewstress jede Menge der geforderten Punkte nennen kann, sollte er sich vorab die eigenen Erfahrungen und Qualifikationen vergegenwärtigen. Dies erfolgt idealerweise in einem schriftlich fixierten Inventar, das vor jedem Interview unbedingt studiert werden sollte. Sind Anforderungen, Aufgaben und Aussagen zur Unternehmensphilosophie vor dem Gespräch bekannt, kann sich der Bewerber beim Vorabstudium insbesondere auf die passenden Punkte des Inventars konzentrieren. Antworten und Beiträge, die an den Wünschen und Bedürfnissen des Einstellers vorbeigehen oder inhaltlos sind, sollten so der Vergangenheit angehören.

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