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25.06.2000

14:28 Uhr

Andere Unternehmen stehen für Einstieg bereit

T-Online dementiert gescheiterte Übernahme von Freeserve

T-Online soll aus den Gesprächen mit Dixons zur Übernahme des Internet-Anbieters Freeserve ausgestiegen sein.

Reuters LONDON/BONN. Die Telekom-Tochter T-Online hat nach Informationen aus Branchenkreisen Gespräche über eine Übernahme des britischen Internet-Anbieters Freeserve mit dessen Muttergesellschaft Dixons Plc beendet.

Am Wochenende waren erneut Spekulationen über eine Übernahme von Freeserve durch T-Online aufgekommen. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte berichtet, der Kauf von Freeserve werde in den nächsten Tagen besiegelt. Die Londoner Zeitung "Sunday Business" meldete, T-Online habe sich aus den Verhandlungen zurückgezogen. Die Deutsche Telekom bezeichnete die Informationen aus Kreisen und Medien allesamt als Spekulationen, an denen sie sich nicht beteilige.

Schon seit Wochen kursierten Gerüchte über einen Einstieg von T-Online bei der Dixons-Tochter Freeserve. T-Online-Chef Wolfgang Keuntje hatte im Gespräch mit Reuters zuletzt am 15. Juni eine Stellungnahme zu diesen Vermutungen abgelehnt. Das Mutterunternehmen von Freeserve, Dixons, will seinen 80-Prozent-Anteil an der Internet-Tochter zumindest zum Teil verkaufen. Am kommenden Dienstag legt Freeserve die Ergebnisse seines ersten vollen Geschäftsjahres vor. An diesem Tag läuft auch die Frist ab, innerhalb der Dixons keine Anteile an Freeserve veräußern konnte. Deshalb hatten Branchenkenner erwartet, der größte europäische Internet-Anbieter T-Online könnte am Dienstag als Käufer präsentiert werden.

In Londoner Kreisen hieß es, die Transaktion wäre zwar für beide Seiten sinnvoll, aber jetzt seien die Gespräche abgebrochen worden. Die künftige Rolle des Freeserve-Managements in einem deutsch-britischen Unternehmen habe sich als Stolperstein herausgestellt. "Dixons hat zwar Interesse an dem Geschäft, aber sie erkennen, dass dabei die Menschen wichtig sind", hieß es weiter in den Kreisen. Vielleicht sei es auch erst ein vorläufiger Verhandlungsstand. Die Realität sei aber, dass der Handel nicht so bald zustande kommen werde.

Telekom-Sprecher: Nur Spekulationen

"Das ist genauso eine Spekulation wie die Meldungen über einen möglichen Kauf. An Spekulationen beteiligen wir uns prinzipiell nicht", sagte Telekom-Sprecher Ulrich Lissek. T-Online-Chef Wolfang Keuntje hatte in einem Interview Mitte Juni gesagt, T-Online verhandele mit der britischen Mobilfunk-Tochter der Deutschen Telekom One2One über einen gemeinsamen Internet-Zugang in Großbritannien. Die Gespräche würden T-Online jedoch nicht von einem Zukauf oder einer Partnerschaft in Großbritannien abhalten. Zu den Spekulationen um Freeserve-Kauf hatte Keuntje angemerkt, T-Online habe die Struktur des britischen Unternehmens noch nicht geprüft. "Wenn wir interessiert sind, werden wir das Unternehmen prüfen", hatte der T-Online-Chef weiter gesagt.

Das Scheitern der Gespräche macht den Kreisen zufolge nun den Weg frei für Verhandlungen mit anderen Unternehmen wie NTL Inc, Terra Networks aus Spanien und Tiscali. Allerdings werde dadurch auch der Wert der Freeserve-Aktie untergraben.

Übenahme des amerikanischen Telekom-Unternehmens "Sprint"?

Die Deutsche Telekom hat einem weiteren Medienbericht zufolge Interesse an einer Übernahme des amerikanischen Telekom-Unternehmens Sprint. Die "Washington Post" hatte unter Berufung auf ein Gespräch mit Telekom-Vorstand Jeffrey Hedberg am Samstag berichtet, die Telekom könnte zum Einstieg am US-Markt Sprint übernehmen, wenn die geplante Fusion dieses Unternehmens mit WorldCom nicht zustande kommen sollte. Auch dies bezeichnete eine Telekom-Sprecher als "reine Spekulation". Dem Zusammenschluss der beiden US-Telekom-Konzerne müssen noch die Wettbewerbsbehörden in den USA und Europa zustimmen. Die Kommission der Europäischen Union hatte bereits Bedenken dagegen geäußert.

Hedberg bestätigte der Zeitung zufolge zwar nicht, dass die Telekom für Sprint bei einem Scheitern der Großfusion bieten würde. Er sei jedoch auch nicht dem Eindruck entgegengetreten, dass die Telekom ein natürlicher Käufer für Sprint sei und habe gesagt: "Sprint wäre interessant". Der Telekom-Vorstand habe im Gespräch mit der Zeitung geprahlt, die Telekom könne sich einen der großen US-Anbieter wie AT&T Corp, BellSouth Corp oder WorldCom einverleiben. Hedberg habe außerdem betont, man werde in den USA kein Joint Venture eingehen. "Wir haben dazugelernt. Lose Allianzen funktionieren nicht", zitierte das Blatt den für die internationale Strategie zuständigen Telekom-Vorstand.

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