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17.01.2003

09:36 Uhr

..., wenn einem als Internet-Provider in einer Technologiehochburg das Rechenzentrum abgerissen wird?*

Ich war entsetzt, im ersten Moment - und später war ich dann enttäuscht. Ausgerechnet die Wirtschaftsförderung der Stadt Karlsruhe - die sich sonst gerne als Technologieregion rühmt - konfrontierte mich mit den Plänen der Stadt: Völlig überraschend teilte mir ein freundlicher Herr durch die Blume mit, dass 1&1 doch bitteschön das Feld räumen solle, obwohl wir einen Mietvertrag bis 2009 haben. Ein Einkaufszentrum soll ausgerechnet da entstehen, wo unser Rechenzentrum seit drei Jahren ist. Die Technik dort ist das Herz des Geschäfts.

Doch weder die Stadt noch der Investor der neuen Einkaufs-Mall schienen mich zu verstehen. Dass ich von der Abriss-Idee überhaupt nicht begeistert war. Dass mir vor dem unproduktiven Aufwand graute. Und dass ich deswegen erst einmal strikt ablehnte.

Ein Umzug ist bei laufendem Betrieb riskant und ungefähr so komplex wie die Verlegung eines Bahnhofs. Das Rechenzentrum mit seinen vielen Anbindungen an andere Provider ist hochkompliziert, und drei Millionen Internet-Domains wären - wenn etwas schief geht - im schlimmsten Fall stundenlang nicht erreichbar. Das wäre fatal für unser Image, weil wir den Kunden 99prozentige Erreichbarkeit garantieren. Ganz abgesehen davon, dass Planung und Vorbereitung so viel unproduktive Arbeitszeit kostet. Der einzige Vorteil ist, dass unsere Technik gar nicht erst veraltet, sondern bei der Gelegenheit auf dem neuesten Stand gehalten werden kann.

Die Frage stellte Claudia Tödtmann

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* Die 1& 1 Internet AG aus Montabaur (1 000 Mitarbeiter, Umsatz in 2001: 118 Mill.Euro) hat in Karlsruhe ihr Rechenzentrum. Jetzt muss der Provider mit seinen 5 000 Servern und drei Millionen Internet-Domains seine Geschäftsräume für die 300 Mitarbeiter dort räumen - für ein Einkaufszentrum.

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