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22.04.2003

08:50 Uhr

Angeblich erste heiße Spur zu Chemiewaffen

US-Verwalter Garner startet Wiederaufbau

Der US-Verwalter für den Irak, Jay Garner, hat gestern in Bagdad seine Arbeit zum Wiederaufbau des Landes begonnen. Dabei will er der Versorgung des Landes mit Wasser und Energie Priorität einräumen. Nach Gesprächen mit Militärvertretern besuchte er ein Krankenhaus, das geplündert worden war. Garner nannte zum Auftakt seines viertägigen Besuchs in Bagdad keinen Zeitrahmen für seine Arbeit, meinte aber: "Wir werden hier bleiben, solange es erforderlich ist, und wir werden schnell wieder gehen."

Jay Garner hat seine Tätigkeit im Irak aufgenommen. Foto: dpa

Jay Garner hat seine Tätigkeit im Irak aufgenommen. Foto: dpa

HB BAGDAD. Die in Kuwait ansässige Behörde soll nach dem Willen der US-Regierung das Land verwalten, bis eine irakische Übergangsregierung die Aufgaben übernimmt. Garners Team soll auf 450 Mitglieder aufgestockt werden.

Gegenwärtig herrscht im Irak ein Machtvakuum. So hat sich in Bagdad ein ehemaliger Exilant zum Gouverneur ernannt. Er kündigte an, den Irak bei einem Treffen der Erdöl exportierenden Länder in Wien in der kommenden Woche durch seinen Vize vertreten lassen zu wollen. Die US-Verwaltung lehnt eine Zusammenarbeit mit dem selbst ernannten Gouverneur ab.

Inzwischen wird im Irak immer lauter davor gewarnt, dass die USA das Machtvakuum im Land unterschätzen würden. Die Regierungen der Nachbarstaaten seien durch das Chaos im Irak alarmiert und fürchteten, dass es auf ihre Länder übergreife und ihre Macht untergrabe, heißt es. "Die arabischen Machthaber, die mit Furcht gesehen haben, wie Saddam Husseins Regime gefallen ist, haben keine Kontrolle über die arabische Straße", meint Ahlam Mosteghanemi, eine bekannte algerische Schriftstellerin. Ob in der arabischen Welt nun eine Zeit der Demokratie, der Reformen und bürgerlicher Freiheiten anbreche, sei davon abhängig, wie gut es den USA gelinge, ihr Versprechen einzulösen, einen stabilen und freien Irak zu schaffen.

Unterdessen melden sowohl die US-Streitkräfte als auch verschiedene Oppositionsgruppen bei der Verfolgung von Mitgliedern der bisherigen irakischen Führung weitere Erfolge. So sollen US-Soldaten Forschungsminister Abdul Chalek Abdul Ghafur festgenommen haben. Nach dessen Rückkehr aus Syrien habe sich ferner der einzige noch lebende Schwiegersohn Saddams dem Irakischen Nationalkongress (INC) gestellt, teilte die Organisation mit. Er sei das bislang engste Familienmitglied Saddams, das gefangen worden sei. Am späten Montagabend wurde zudem der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident des Iraks, Muhammad Hasmak el Subajdi, festgenommen. Er gehörte dem Revolutionären Kommandorat an und war Kommandeur der mittleren Euphrat-Region. Auf der Liste von 55 gesuchten Regimemitgliedern stand er auf Platz 18.

Ob Saddam und seine verschwundenen Söhne Kusai und Udai noch leben, ist weiterhin unbekannt. INC-Chef Ahmed Chalabi glaubt, dass sie im Irak auf der Flucht sind. "Ja, er ist im Irak", sagte Chalabi am Montag dem britischen Sender BBC. "Wir können Saddam nicht genau lokalisieren", räumte er aber ein. Saddam wechsele ständig den Aufenthaltsort. Der INC erhalte zwar von Zeit zu Zeit Informationen über die Aufenthaltsorte der drei Gesuchten, jedoch erst 12 bis 24 Stunden, nachdem diese weitergeflohen seien.

Die Rolle, die Syrien bei der Rückkehr der bislang gefassten irakischen Führungsmitglieder gespielt haben könnte, blieb zunächst unklar. US-Präsident George W. Bush hatte während der Osterfeiertage erklärt, er sehe "positive Zeichen" dafür, dass Syrien die Botschaft der USA verstanden habe, geflohenen Mitgliedern der einstigen irakischen Führungsriege unter Saddam keinesfalls Zuflucht zu gewähren. Syriens Außenminister Faruk el Scharaa begrüßte am Montag die Äußerungen des US-Präsidenten. Damit zeichnet sich zwischen den USA und Syrien eine erste Entspannung ab. Die US-Regierung hatte Syrien vorgeworfen, Massenvernichtungswaffen zu besitzen.

US-Militärexperten haben derweil angeblich eine erste heiße Spur zu verbotenen irakischen Waffenprogrammen gefunden. Ein irakischer Wissenschaftler habe die Militärs zu Orten geführt, an denen Zwischenprodukte einer Chemikalie vergraben worden seien, berichtete die "New York Times". Dem Forscher zufolge steckte die irakische Führung wenige Tage vor dem Einmarsch ein Lager in Brand, in dem Biowaffen entwickelt worden waren, berichtete eine Reporterin des Blatts.

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