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26.07.2000

19:55 Uhr

Angeblich großes Interesse internationaler Energiekonzerne an ostdeutscher Stromwirtschaft

Veag soll im Dezember verkauft sein

VonANDREAS MIHM

Die Aktien der Bewag AG haben in den vergangenen Monaten um gut 40 % auf zuletzt rund 14 " zugelegt. Jetzt hat die Bankgesellschaft Berlin die Bewag-vom "sector outperformer" zum "strong sector outperformer" hochgestuft. Und die Bank sieht sogar noch "Phantasie für weitere Kussprünge." Hintergrund der guten Erwartungen ist die bevorstehende grundlegende Neuordnung des ostdeutschen Energiemarktes, wie er von den Kartellbehörden nach der Fusion von Veba/Viag zu Eon und von RWE/VAG verlangt worden ist.

BERLIN. Weil die Kartellbehörden Eon zum Ausstieg aus der Bewag zwingen, will einer der Bewag-Partner, der US-Versorger Southern Energy, seinen Anteil von 26 auf 75 % aufstocken. Dann soll sich die Bewag für den Kauf der ostdeutschen Energieversorger Veag (Vereinigte Energiewerke AG) und Laubag (Lausitzer Braunkohle AG) bewerben. Sie stehen ebenfalls als Folge der Fusionen von RWE/VEW und Veba/Viag zum Verkauf. Zudem befürworten die Kartellwächter auch den Ausstieg der RWE aus dem sächsichen Regiohalversorger Envia, der zu 63 % RWE gehört.

Vor diesem Hintergrund räumen zumindest die Berliner Banker der Bewag große Chancen ein. "Allein der Aufstieg in die Liga der großen Verbundunternehmen würde eine Höherbewertung von Bewag rechtfertigen".

Dabei ist noch längst nicht klar, ob das lange Werben von Southern und Bewag um die Führungsaufgabe in der ostdeutschen Energiewirtschaft tatsächlich von Erfolg gekrönt sein wird. Zwar haben die beiden früh um die Übernahmeobjekte geworben. Doch formiert sich Konkurenz. Außer dem bekannten Bietergespann aus HEW (Hamburg) und dem schwedischen Staatskonzern Vattenfall soll es "eine ganze Liste von Interessenten" für die ostdeutsche Energiewirtschaft geben.

Neben RAG (siehe nebenstehenden Bericht) gehören dazu nach Angaben aus Kreisen der Beteiligten nicht nur US-amerikanische Konzerne, sondern auch große Stromunternehmen aus Europa wie die spanische Endesa oder Italiens Enel. Eine Enel-Sprecherin meinte dazu, es sei "zu früh für solche Spekulationen". Enel und Endesa wollen erklärtermaßen in Europa expandieren.



VNG steht nicht mehr als Partner bereit

Offen ist, was aus dem Interesse ostdeutscher Kommunen an einer Minderheitsbeteiligung an der Veag wird. Der Leipziger Gaskonzern Verbundnetz Gas AG, ursprünglich als Partner für ein strategisches 25,1 %-Engagement der Kommunen Leipzig, Halle und Chemnitz vorgesehen, ist wieder abgesprungen: "Wir haben das geprüft und verfolgen solche Aktivitäten nicht mehr", sagt VNG-Sprecher Walter Altmann.

Gleichwohl haben die Kommunen ihr Ziel einer strategischen Beteiligung nicht aufgegeben. Man stehe "mit möglichen kommunalen und anderen Partnern im Gespräch", heißt es bei der Beteiligungsgesellschaft der Stadt Leipzig.

Doch ist auch den Kommunal-Vertretern klar, dass sie alleine kaum die dreistelligen Millionen-Beträge für ein strategisches Mit-Engagement bei Veag und Laubag aufbringen könnten - allenfalls im Rahmen einer langfristigen Partnerschaft mit einem großen Konzern, frei nach dem Motto: Markt gegen Mitsprache. In dem Bietverfahren, das die Investmentbanker von Schroders Salomon Smith Barney führen, dürften allerdings die beiden Konsortien aus Bewag und HEW eine Art Heimvorteil genießen: Beide sind mit je 6,25 % Gesellschafter der Veag und können Vorkaufsrechte geltend machen.

Gleichwohl soll das Engagement nun weltweit ausgeschrieben werden. In einer 60seitigen Informationsschrift haben die Investmentbanker die Vorzüge von Veag, Laubag und Envia mit bunten Grafiken und allerlei Basis-Datenmaterial zusammengestellt. Zudem wird in den Unterlagen auch der unter Verwaltung von Preussen-Elektra (Eon) stehende Kraftwerksstandort Stendal mit angepriesen.

Dass daran - als Folge der Treuhand-Privatisierungsverträge von 1994 - offenbar Investitionsversprechen für ein in den nächsten 12 Jahren zu errichtendes Steinkohlekraftwerk mit Investitionen von mehr als 1 Mrd. DM hängen, geht aus diesen Unterlagen nicht hervor. Die Verkäufer, so heißt es in Kreisen der Verfahrensbeteiligten, wollten sich damit einer Investitionslast für Kapazitäten entledigen, die auf absehbare Zeit niemand benötige.

Spätestens hier dürfte die Politik wieder ins Spiel kommen: Denn über das Schicksal dieser Last wie auch über die ausstehenden Veag-Kaufpreisforderungen des Bundes muss mit der Bundesregierung verhandelt werden.

Vor allem verlangt der Bundeswirtschaftsminister für seine Zustimmung zur Änderung des 94er Kaufvertrags nicht nur eine Garantie für die Sicherheit der Arbeitsplätze in der Ost-Energiewirtschaft, die Durchsetzung von Marktpreisen und damit den Verzicht auf die Braunkohleschutzklausel sowie für die Abnahme von 50 Terawatt-Stunden Strom, überwiegend aus der Braunkohle.

Dazu passen die Spekulationen, wonach die Bundesregierung ein gemeinsames Engagement von Bewag und HEW samt Konsorten befürworten würde. Allerdings ist bisher keine der beiden Gruppierungen bereit, auf die unternehmerische Führung der noch zu schaffenden "vierten Kraft" zu verzichten.

Lange wird das Rätselsraten indes nicht mehr dauern. Im September werden die Datenräume der angepriesenen Unternehmen in Berlin für die Interessenten geöffnet, ab Oktober soll dann straff verhandelt werden. Denn auf dem Terminplan der beteiligten Investmentbanker steht für den 13. Dezember "Closing".



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