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14.01.2002

17:49 Uhr

Angeschuldigte können bis Mai Stellung nehmen

Eschede-Prozess beginnt voraussichtlich im Spätsommer

Der Strafprozess wegen der ICE-Katastrophe von Eschede beginnt frühestens im August dieses Jahres - mehr als vier Jahre nach dem Unglück mit 101 Toten und 105 Verletzten. Noch bis Ende Mai könnten sich die der fahrlässigen Tötung beschuldigten drei Mitarbeiter der Bahn und eines Radreifen-Herstellers zu den Vorwürfen äußern, erklärte am Montag der Sprecher des Oberlandesgericht in Celle, Burghard Mumm.

ap CELLE. Die zuständige Strafkammer könne erst danach über die Zulassung der Anklage entscheiden.

Die in Celle ansässige auswärtige Große Strafkammer des Landgerichts Lüneburg, der im November die Eschede-Anklage zugestellt wurde, befasst sich den Angaben zufolge seit Dezember ausschließlich mit der ICE-Katastrophe. Die Entscheidung über die Zulassung der Anklage werde voraussichtlich im Juni fallen. Nach den Sommerferien im August sei damit der Beginn eines Strafverfahrens möglich, Mumm. Falls der Prozess eröffnet werde, sei mit einem erstinstanzlichen Urteil im Laufe des Jahres 2003 zu rechnen. Der ICE Wilhelm-Conrad-Röntgen war am 3. Juni 1998 in Eschede, 20 Kilometer nördlich von Celle, entgleist.

Wegen des zu erwartenden Mammut-Verfahren wurde Anfang Dezember für andere Prozesse eine zweite auswärtige Strafkammer des Landgerichts Lüneburg in Celle geschaffen. In dem Eschede-Verfahren wurden bereits 28 Nebenkläger zugelassen. Wegen des zu erwartenden öffentlichen Interesses und der zahlreichen Anwälte, die Angeklagte und Nebenkläger vertreten, wurde für die ersten Prozesstage bereits der Saal des Celler Kreistages als Verhandlungsort ins Auge gefasst.

Zu den Beweismitteln in dem Verfahren gehören rund 100 Meter Gleis, 22 ICE-Drehgestelle mit je acht Tonnen Gewicht und auch zwei 18 Meter lange komplette ICE-Wagen. Sie sollen im Laufe des Januar in eine Kaserne bei Celle gebracht werden. Die 186 Seiten umfassende Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Lüneburg führt 45 Zeugen, zehn Sachverständige und sieben technische Gutachten mit einem Umfang von 500 Seiten auf. Die zuständige große Strafkammer hat außerdem bis zur Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens nach eigenen Angaben 105 Leitz-Ordner Hauptakten und etwa 450 Beiakten zu prüfen.

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