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06.07.2000

16:38 Uhr

ap NASRAN. Angesichts fortgesetzter Partisanenangriffe verstärken die russischen Truppen in Tschetschenien ihre Stellungen mit Stacheldraht und Zementblöcken. Die Militärführung will damit nach russischen Informationen verhindern, dass die tschetschenischen Nationalisten weitere Selbstmordanschläge verüben können. Nach den hohen Verlusten unter den russischen Truppen tadelte Präsident Wladimir Putin am Donnerstag bei einem überraschenden Besuch im Kaukasus die zuständigen Minister und Kommandeure.

Russische Stellungen in Tschetschenien wurden in der Nacht zum Donnerstag 14 Mal beschossen, wie ein Militärsprecher mitteilte. Kampfflugzeuge bombardierten unterdessen erneut Rebellenstützpunkte in der Argun-Schlucht. Nahe der Grenze zum benachbarten Dagestan sowie im südlichen Bergland wurde schwere Artillerie gegen tschetschenische Kämpfer eingesetzt. Der stellvertretende Generalstabschef Waleri Manilow sagte, von einem "Zusammenbruch der konterterroristischen Operation" könne keine Rede sein. Nach seinen Angaben wurden in der vergangenen Woche 61 russische Soldaten getötet und 153 verwundet.

Putin traf am Mittwochabend überraschend im Hauptquartier der Kaukasus-Streitkräfte in Mosdok in Nordossetien ein. Dort rügte er Verteidigungsminister Igor Sergejew und Innenminister Wladimir Ruschailo sowie die versammelten Generäle. "Niemand hat Sie Ihrer Pflichten als Leiter der Terrorismusbekämpfung enthoben", sagte Putin zu Sergejew. "Daher fordere ich Sie auf, diese zu erfüllen, bis Ihnen Änderungen befohlen werden." Den für die Polizei zuständigen Ruschailo wies er an, entschlossener vorzugehen. Bei fünf Sprengstoffanschlägen waren am Sonntag nach offiziellen Angaben mindestens 33 Soldaten und elf Zivilisten getötet worden. Sergejew machte mangelnde Disziplin der Soldaten für das Gelingen der Anschläge verantwortlich. Die russische Militärführung hatte den Krieg zuvor bereits mehrfach für beendet erklärt.



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