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26.01.2003

15:54 Uhr

Angriffe gegen Hamas

Zwölf Tote bei israelischem Militär-Vorstoß in Gaza

Kurz vor den Parlamentswahlen demonstriert Ministerpräsident Ariel Scharon erneut seine harte Linie.

rtr GAZA-STADT. Mindestens zwölf Palästinenser sind in der Nacht zum Sonntag bei einem Angriff der israelischen Armee auf Gaza-Stadt ums Leben gekommen. Zwei Tage vor der Parlamentswahl in Israel demonstrierte Ministerpräsident Ariel Scharon damit erneut seine harte Linie gegen die Palästinenser.

Gepanzerte Fahrzeuge und Kampfhubschrauber stießen in den Stadtteil Saitun vor, der als Hochburg der radikalen islamischen Hamas-Bewegung gilt. Die israelische Armee sprach von einem Einsatz gegen Waffenfabriken. Ein Hamas-Vertreter sagte in Ägypten, der Angriff zeige, dass ein Schulterschluss der verschiedenen Palästinenser-Gruppen notwendig sei. US-Außenminister Colin Powell erneuerte in Davos die Forderung nach einer neuen palästinensischen Führung. Israel rief er auf, mehr Zugeständnisse an die Palästinenser zu machen.

Die Palästinenser-Regierung warf Scharon vor, seinen Wahlkampf "mit palästinensischem Blut" beenden zu wollen. Am Dienstag finden in Israel Parlamentswahlen statt, bei denen Scharons Likud-Partei Umfragen zufolge als klarer Favorit gilt. Palästinensische Sicherheitskräfte sagten, die Soldaten hätten Häuser und einen Metall verarbeitenden Betrieb gestürmt sowie eine der größten Fabriken in Gaza-Stadt zerstört. Die Fabrik habe Müllcontainer hergestellt.

Dagegen sagte Israels Verteidigungsminister Schaul Mofas dem Sender Israel Radio, die Soldaten hätten 100 Maschinen zerstört, die zur Herstellung von Werfergranaten und "Kassam"-Raketen benutzt worden seien. Bei dem Einsatz kam es nach Armeeangaben zu einem Schusswechsel mit Palästinensern. Israel erwäge einen längerfristigen Einsatz im Gaza-Streifen, ähnlich der andauernden Wiederbesetzungen im Westjordanland, sagte Mofas weiter. Eine Entscheidung dazu sei noch nicht getroffen worden.

Etwa 40 000 Palästinenser versammelten sich am Sonntag bei der Beerdigung der Opfer. Viele schworen Rache. Die Hams kündigte Vergeltungsanschläge in Jaffa und Tel Aviv an.

"Der Angriff auf Gaza-Stadt bestätigt dass wir eine Einigung erreichen müssen, denn nichts kann Gaza-Stadt und unser palästinensisches Volk beschützen, wenn wir uns trotz des Schmerzes und des Todes von Märtyrern nicht einigen", sagte ein Hamas-Sprecher in der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Wie die Einigung aussehen könnte, sagte er nicht. In Kairo verhandeln seit drei Tagen mehrere Palästinenser-Gruppen über einen ägyptischen Plan, der einen einjährigen Gewaltverzicht der beteiligten Gruppen vorsieht.

Am Vortag hatte ein hochrangiger Vertreter der Palästinenser-Regierung gesagt, die Gruppen erwägten einen Gewaltverzicht, allerdings unter der Bedingung, dass Israel garantiere, keine Palästinenser mehr zu töten.

Auch Powell forderte vor dem Wirtschaftsforum in Davos Bewegung auf beiden Seiten. Die Palästinenser müssten "Vertrauen schaffen, indem sie eine neue und andere Führung einsetzen und Terror und Gewalt beenden". Israel müsse seinerseits den Palästinensern mehr anbieten als "einen unechten Staat, der in tausende verschiedene Teile zersplittert ist". Wenn beide Seiten aufeinander zugingen sei die Schaffung eines demokratischen palästinensischen Staates bis 2005 möglich.

Die USA sind Mitglied in einem Vermittlerquartett für den Nahen Osten, das nach der Wahl in Israel einen Friedensplan vorlegen soll. Bei dem seit September 2000 anhaltenden Aufstand der Palästinenser sind mindestens 1800 Palästinenser und 698 Israelis ums Leben gekommen.

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