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05.05.2003

08:17 Uhr

Angst vor Ansteckung lässt das Passagieraufkommen wegbrechen

Asiatische Airlines sind gegen Folgen der Lungenseuche SARS machtlos

VonOliver Müller

Der Ausbruch der Lungenkrankheit SARS stürzt einige der leistungsfähigsten asiatischen Fluglinien in eine schwere Krise. Zunächst sind Regionalanbieter besonders betroffen. Doch hat auch Hongkongs Cathay Pacific ihre Kapazität um fast die Hälfte zusammengestrichen.

HONGKONG. Der Ausbruch der atypischen Lungenentzündung SARS stürzt auch einige der leistungsfähigsten asiatischen Fluglinien in die schwerste Krise ihrer Geschichte. Zunächst sind Regionalanbieter besonders betroffen. So lässt Dragonair aus Hongkong seit April mehr als jeden zweiten Flug ausfallen. Doch hat auch Hongkongs Cathay Pacific ihre Kapazität um fast die Hälfte zusammengestrichen. "Der Rückgang der Nachfrage dürfte aber noch viel größer sein," glaubt UBS-Analyst Timothy Ross. Auf Cathays verbleibendem Flugnetz sei derzeit nur ein Drittel der Sitze belegt, schätzt er.

Unter Berufung auf Unternehmensquellen berichtet die Hongkonger Zeitung South China Morning Post, Cathays Passagierzahlen seien vergangenen Dienstag auf den Tiefstand von 6 000 am Tag gefallen. Im April vor einem Jahr transportierte das Unternehmen im Schnitt 33 000 Kunden pro Tag.

In Schreiben an die Mitarbeiter hat das Management nun gedroht, Cathay könne den Flugbetrieb für eine Zeit ganz einstellen, falls das Geschäft weiter einbricht. Die Aktie hat in den vergangenen sechs Wochen 19 % an Wert verloren. Doch Ross hält die inzwischen massiv revidierten Gewinnerwartungen der Märkte immer noch für zu optimistisch. Hatte er Cathay ursprünglich einen Gewinn von 237 Mill. $ für 2003 vorausgesagt, erwartet er nun einen Rekordverlust von 239 Mill. $ - mehr als doppelt so viel wie auf dem Höhepunkt der Asien-Krise 1998.

Airlines und Analysten gehen im Moment davon aus, dass SARS im zweiten Halbjahr abklingt. Aufkeimende Hoffnung auf ein Nachlassen der Epidemie - so die Entwarnung der Weltgesundheitsorganisation WHO für Vietnam - verhalf den schwer gebeutelten Aktien asiatischer Fluglinien in der vergangenen Woche zu Kursgewinnen von durchschnittlich 8 %. Doch Ross glaubt nicht, dass sich die Buchungen nach einem Ende der Epidemie schnell erholen. "SARS wird Asiens Fluglinien mindestens bis Mitte des Jahres schwer schädigen", warnt auch Peter Harbison, Direktor des Centre for Asia Pacific Aviation in Sydney.

Skeptiker sehen in dem ImageSchaden, den Hongkong erlitten hat, bereits ein Risiko für die Rolle als führendes Flugdrehkreuz in Fernost. "Dies könnte den Wert von Cathays Flugnetz und Marke mindern und das Wachstum bremsen," warnt Ross. Cathays Management jedenfalls will am heutigen Montag beraten, ob die bereits beschlossene Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr gekürzt werden soll.

Auch Cathays schärfster Konkurrent kämpft mit der größten Krise seines Bestehens: Singapur Airlines (SIA) hat seine Kapazität vergangene Woche um weitere 9% gesenkt und der Kabinenmannschaft verordnet, bis März 2004 alle zwei Monate sieben Tage unbezahlten Urlaub zu nehmen. Mit den Piloten wird über einen ähnlichen Deal verhandelt. Auf SIAs innerasiatischen Strecken sind die Buchungen um 50 % eingebrochen. Insgesamt hat das Unternehmen inzwischen 29 % seiner Flüge gestrichen.

Anders als Cathay versucht SIA, Passagiere mit massiven Ermäßigungen von 50 % auf den Europastrecken wieder Lust am Fliegen zu machen. Auch Australiens Qantas hat gestern eine Reihe von Sonderangeboten auf Langstrecken nach Europa und Nord- und Südamerika bekannt gegeben. Qantas hat sein internationales Streckennetz seit April um 20% reduziert und bereits Mitarbeiter entlassen.

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