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01.02.2001

14:58 Uhr

Angst vor feindlicher Übernahme

Deutsche Bank berät Daimler-Chrysler zu Abwehrstrategie

Wegen des stark gesunkenen Aktienkurses könnte der deutsch-amerikanische Autokonzern Ziel einer Übernahme werden. Deshalb arbeitet Daimler-Chrysler mit Hilfe der Deutschen Bank und J.P. Morgan an einer Abwehrstrategie. Zurzeit gebe als allerdings noch keine Anzeichen für eine feindliche Übernahme.

Reuters FRANKFURT. Die Deutsche Bank hat bestätigt, den Daimler-Chrysler-Konzern bei der Entwicklung einer Abwehrstrategie gegen ein mögliches Übernahmeangebot zu beraten. "Ich kann bestätigten, dass die Deutsche Bank ein Mandat hat, Daimler-Chrysler bei seiner Verteidigungsstrategie zu beraten", sagte der Vorstandssprecher der Bank, Rolf Breuer, am Donnerstag in Frankfurt. Auch die Investmentbank J.P. Morgan Chase sei daran beteiligt. "JP Morgan ist auf unserer Seite", sagte Breuer. Er bestätigte damit entsprechende Aussagen aus Industriekreisen vom Dienstag. An den Börsen war zuletzt spekuliert worden, Daimler-Chrysler könnte wegen des seit 1999 stark gesunkenen Aktienkurses zu einem Übernahmeziel werden.

Es gebe derzeit keine Anzeichen für eine feindliche Übernahme

Breuer sagte, es gebe aber keine Anzeichen, dass ein Übernahmeangebot für den Stuttgarter Konzern vorgelegt werden könnte. Bereits am Dienstag war aus Industriekreisen zu erfahren, dass die Deutsche Bank und JP Morgan ein Konzept zur Steigerung des Aktienkurses für Daimler-Chrysler ausarbeiten sollten, wodurch auch ein möglicher Übernahmeversuch verhindert werden könnte. Die Deutsche Bank ist selbst mit einem Anteil von rund 12 % größter Aktionär von Daimler-Chrysler.

Daimler-Chrysler leidet derzeit unter hohen Verlusten seiner US-Sparte Chrysler. Am Montag hatte der Konzern angekündigt, 26 000 der zuletzt rund 125 000 Stellen bei Chrysler abzubauen. Ende Februar soll der neue Chrysler-Chef Dieter Zetsche ein Konzept zur grundlegenden Neuausrichtung des US-Herstellers vorlegen. Durch die Probleme bei Chrysler hatte die Daimler-Chrysler-Aktie von Frühjahr 1999 bis Ende 2000 mehr als die Hälfte ihres Wertes auf zwischenzeitlich 42,70 Euro verloren, seitdem aber wieder auf gut 50 Euro zugelegt.

Deutsche Bank stärkt Daimler-Chrysler den Rücken

Die Deutsche Bank hatte der Führung von Daimler-Chrysler in den vergangenen Monaten mehrfach den Rücken gestärkt. Er sei überzeugt, dass die Strategie von Daimler-Chrysler die richtige sei und das Management die Probleme bei Chrysler lösen könne, hatte Vorstandssprecher Breuer mehrfach erklärt. Die Deutsche Bank will allerdings mittelfristig ihre Industriebeteiligungen abbauen. Einige Analysten gehen daher davon aus, dass die Bank den Druck auf Daimler-Chrysler erhöht hat, um letztlich wieder höhere Kurse der Aktie zu erreichen.

Welche Maßnahmen bei Daimler-Chrysler nun zur Debatte stehen, blieb unklar. Analysten sagten zuletzt, am einfachsten könnten Kurssteigerungen erreicht werden, indem sich DaimlerChrysler von Problembereichen wie etwa der Kleinwagensparte Smart und zumindest Teilen von Chrysler trenne. Diese Möglichkeit sei aber wenig wahrscheinlich. Theoretisch hätte Daimler-Chrysler auch die Möglichkeit, bis zu zehn Prozent seiner Aktien zurückzukaufen, was Analysten angesichts der Kursentwicklung der vergangenen Monate und der durch die Chrysler-Verluste angespannten Finanzen des Konzerns aber ebenfalls für wenig sinnvoll halten.

Daimler-Aktie bleibt unbeeinflusst

Der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie blieb von der Bestätigung, dass ein Abwehrkonzept entwickelt werde, am Donnerstag praktisch unbeeinflusst. Am Nachmittag wurde die Aktie im Xetra-Handel bei 51,20 Euro notiert, sie lag damit um rund 0,3 % im Plus. Das Börsenbarometer Dax lag zum gleichen Zeitpunkt gedrückt von den Indexschwergewichten Deutsche Bank und SAP um 1 % im Minus.

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