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29.05.2000

10:33 Uhr

Anhänger Toledos demonstrieren in Lima

Fujimori gewinnt umstrittene Wahl in Peru

Trotz internationalen Protestes und Boykott-Aktionen wegen Manipulationen im ersten Wahlgang fand am Sonntag die Stichwahl statt. Nun droht Peru internationale Isolierung.

ap LIMA. In einer Stichwahl ohne Gegenkandidat hat der peruanische Staatschef Alberto Fujimori am Sonntag vermutlich die nötige absolute Mehrheit für eine dritte Amtszeit erhalten. Nach Auszählung von gut der Hälfte der Stimmen lag Fujimori nach offiziellen Angaben mit 50,3 % in Führung. Sein Herausforderer Alejandro Toledo, der seine Kandidatur aus Protest gegen Wahlmanipulationen zurückgezogen hat, erhielt 16,2 %. 32,4 % der Stimmzettel waren ungültig, 0,8 % waren leer. Toledo hatte die Bevölkerung zum Wahlboykott aufgerufen; in Peru herrscht aber Wahlpflicht. Sollte Fujimori die Abstimmung gewinnen, droht dem südamerikanischen Staat die internationale Isolierung.

Viele Peruaner erklärten vor der Wahl, sie wollten aus Protest "Nein zu Wahlbetrug" auf den Stimmzettel schreiben und damit ihre Stimme ungültig machen. Toledo kündigte an, das Wahlergebnis nicht anzuerkennen. In Lima kam es am Nachmittag vereinzelt zu Protestkundgebungen, die von der Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas aufgelöst wurden. Am Abend demonstrierten Zehntausende Anhänger Toledos auf einem Platz in der Innenstadt von Lima gegen Fujimori. Toledo rief die Demonstranten auf, ihren Protest friedlich zum Ausdruck zu bringen.

Vom Ort der Großkundgebung versuchten mehrere hundert Demonstranten, vor den Präsidentenpalast zu ziehen. Sondereinsatzkräfte der Polizei setzten wiederholt Tränengas ein, um die Menge zurückzuhalten. Rund 1 000 Polizisten sicherten den Amtssitz Fujimoris und blockierten den Demonstranten den Weg. Auch aus anderen Städten des Landes wurden Großkundgebungen gemeldet.

In Umfragen lag Fujimori zuletzt mit 54 % der Stimmen in Führung. Der 61-jährige autokratische Herrscher hat den größten Rückhalt bei den Armen unter den 25 Mill. Peruanern. Diesen hat er einen ebenso entschlossenen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit versprochen, wie er den Kampf gegen die Guerillabewegungen Leuchtender Pfad und Tupac Amaru geführt habe. Nach Schließung der Wahllokale am Sonntag trat er zunächst nicht öffentlich auf.

Der 54-jährige Toledo hatte ebenso wie die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und die Europäische Union wegen befürchteter Unregelmäßigkeiten eine Verschiebung des zweiten Wahlgangs gefordert. Wahlbeobachter der EU und der USA sagten ihre Beteiligung aus Protest gegen Fujimoris Festhalten an dem Wahltermin ab.

Im ersten Wahlgang am 9. April hatte Fujimori 49,9 % der Stimmen erzielt, sah sich danach aber mit heftigen Vorwürfen des Wahlbetrugs konfrontiert. So konnte nicht geklärt werden, warum die Zahl der ausgezählten Stimmen um 1,4 Mill. höher war als die Zahl der rund 14 Mill. Wahlberechtigten. Toledo qualifizierte sich mit 40,2 % der Stimmen für die Stichwahl, forderte aber Garantien für eine demokratische Stimmenauszählung und verlangte deswegen einen späteren Wahltermin.

Das amtliche Endergebnis der Wahl wurde nicht vor Mittwoch erwartet.



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