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14.01.2002

00:11 Uhr

Anhaltende Kritik an Kabel-Ausbauplänen

Liberty hat Kartellamts-Bedenken noch nicht ausgeräumt

VonDonata Riedel

Das Bundeskartellamt hat weiterhin Bedenken gegen den Verkauf von 60 % der Telekom-Kabelnetze an den US-Konzern Liberty Media. Wenn die Bedenken ausgeräumt wären, gäbe es bereits eine Genehmigung, heißt es im Amt.

BERLIN. Es würden weiter Gespräche mit dem Liberty-Management geführt. Die Prüffrist läuft bis 28. Februar. Die Kartellwächter verlangen von Liberty den Ausbau des Kabels für Internet und Telefondienste: So könne mehr Wettbewerb auf diesen Märkten entstehen. Das würde die befürchtete Einschränkung des Wettbewerbs im Kabelfernsehmarkt ausgleichen.

Vor drei Wochen hat Liberty eine 75-seitige Stellungnahme an das Kartellamt gesandt, in der das Unternehmen sein Konzept für die Digitalisierung der Kabelnetze erläutert. Darin schreibt Liberty, dass Hochgeschwindigkeitszugänge zum Internet und Telefondienste neben Fernsehen Bestandteil der Ausbaupläne seien: Erträge im Breitbandgeschäft seien nur zu erwirtschaften, wenn dem Verbraucher alle drei Bereiche aus einer Hand angeboten würden: "In dem Angebot des Dreiklangs von Fernsehen, Telefonservices und schnellem Internetzugang liegt daher der Schlüssel für eine den Erwartungen von Liberty entsprechende Investitionsrendite", so Liberty. Gleichzeitig beharrt das Unternehmen jedoch darauf, die Bandbreite des Netzes nicht nach dem neuesten Stand der Technik auf 862 MHz ausbauen zu wollen: Dies sei zu teuer. Liberty plane stattdessen, die Bandbreite von heute 450 auf 510 MHz erhöhen zu wollen.

Die Liberty-Stellungnahme im Original-Wortlaut

Dafür reicht es nach Aussage von Technik-Experten, die Kapazität der existierenden Verstärker im Netz komplett zu nutzen, indem man auf die heutigen Sicherheitsreserven verzichtet. Dass Liberty so, wie das Unternehmen in seiner Stellungnahme ankündigt, Hochgeschwindigkeits-Internet für den Massenmarkt anbieten kann, bezweifeln Techniker jedoch: Sobald dieser Dienst von zahlreichen Kunden genutzt werde, reiche die Kapazität nicht für die Datenübertragung in Hochgeschwindigkeit aus, heißt es in einem Positionspapier des Kabelnetzbetreibers Bosch Telecom an das Kartellamt. Bosch hat einen Großteil der Kabelnetze in den 80er Jahren mit den Netzverstärkern ausgerüstet. Ein Konkurrenzangebot zum schnellen DSL-Internetzugang der Telekom, mit dem Liberty gegenüber dem Kartellamt argumentiert, lasse sich so nicht realisieren, sagen Techniker.

Das Angebot von Telefonanschlüssen über das Kabelnetz sieht Liberty ohnehin erst in ferner Zukunft vor. Das Unternehmen plant "Voice-over IP", also Internet-Telefonie-Technik, einzusetzen. Diese befindet sich heute für Datennetze im Erprobungsstadium. Für den Einsatz in Fernseh-Kabelnetzen müsste sie erst entwickelt werden, heißt es auch bei Liberty.

Das Unternehmen will das Kartellamt überzeugen, dass es sich bei der Digitalisierung des Fernsehkabels um langfristig angelegte Investitionen handelt. Die Auswirkungen auf den Wettbewerb könne man daher nicht, wie es das Kartellamt sieht, allein für die nächsten zwei bis drei Jahre betrachten, so Liberty. Bis 2010 werde Liberty 8,3 Mrd. Euro in die Kabelnetze investieren. Der Kaufpreis, den Liberty an die Telekom zahlen will, liegt bei 5,5 Mrd. Euro.

Dass sich das Unternehmen vom Kartellamt nicht zu zusätzlichen Investitionen überreden lassen werde, hat Liberty-Chef John Malone in der vergangenen Woche auf einer Analystenkonferenz in Scottsdale/Arizona bekräftigt: Das Geschäft würde sich dann nicht lohnen.

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