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30.01.2001

14:41 Uhr

ap CAMP ZEIST/NIEDERLANDE. Im Prozess um den Flugzeugabsturz von Lockerbie soll nach fast neunmonatigem Prozess am (morgigen) Mittwoch das Urteil gesprochen werden. Dies kündigte der Vorsitzende Richter Ranald Sutherland am Dienstag an. Gegen 11.00 Uhr soll verkündet werden, ob die beiden angeklagten Libyer wegen des Bombenanschlages auf den Pan-Am-Jumbo vor zwölf Jahren schuldig gesprochen werden. Beim Absturz des Jumbos über dem schottischen Ort Lockerbie kamen am 21. Dezember 1988 insgesamt 270 Menschen ums Leben.

Die Anklage hat eine Verurteilung wegen Mordes gefordert, die Verteidigung plädierte dagegen auf Freispruch. Nach schottischem Recht, das laut einer internationalen Vereinbarung in diesem Prozess gilt, sind drei Richtersprüche möglich: schuldig, unschuldig oder nicht bewiesen. In den beiden letzten Fällen kämen Abdel Basset Ali el Megrahi und Lamen Chalifa Fhimah auf freien Fuß, bei einer Verurteilung wegen Mordes droht ihnen lebenslange Haft. Die Verteidigung kann gegen das Urteil innerhalb von zwei Wochen Berufung einlegen. Die Anklage hat dagegen keine Einspruchsmöglichkeit.

Die Angeklagten haben in der Hauptverhandlung, die am 3. Mai vergangenen Jahres begann, wiederholt ihre Unschuld erklärt. Ihre Anwälte nannten die Beweise der Anklage unzureichend. Sie stellten die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen, eines früheren Mitarbeiters des amerikanischen Geheimdienstes CIA, in Frage. Laut Anklage haben Megrahi und Fhimah einen Koffer mit der Bombe auf dem Flughafen von Luka in Malta an Bord eines Flugzeugs gebracht. Wegen lückenhafter Sicherheitskontrollen am Frankfurter Flughafen sei der Koffer dann auf den Pan-Am-Flug 103A nach London verladen worden.

An 85 Verhandlungstagen hat sich das Gericht seit Mai mit dem Fall befasst, 235 Zeugen wurden gehört. Der Prozess wurde möglich, nachdem Libyen die beiden Angeklagten im April 1999 nach jahrelangem Streit auslieferte. Im Gegenzug wurden die 1992 verhängten UN-Sanktionen gegen das Land wieder aufgehoben. Schon vor Prozessauftakt war der Fall Lockerbie als bisher umfangreichste Mordermittlung in die Kriminalgeschichte eingegangen: In 20 Ländern wurden 15 000 Zeugen befragt, die Kriminalisten prüften zudem 180 000 Beweisstücke.



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