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27.03.2003

10:50 Uhr

Anklageerhebung offen

Verfahren gegen BHW-Manager dauert an

Im Ermittlungsverfahren gegen 13 Manager des Hamelner Finanzdienstleisters BHW wegen verbotenen Insiderhandels ist vorerst noch nicht mit einer Entscheidung zu rechnen.

Reuters HANNOVER. "Die Ermittlungen dauern an", sagte Oberstaatsanwalt Manfred Knothe am Donnerstag in Hannover. Ob es zur Anklage komme, sei offen. Aus der Tatsache, dass mehrere Wohnungen und Büroräume durchsucht und Vermögen in Millionenhöhe beschlagnahmt wurden, lasse sich "nicht zwingend" ableiten, dass sich der Verdacht bereits weiter erhärtet habe.

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat nach den Worten Knothes im Zuge der Durchsuchung von Büro- und Privaträumen der BHW-Manager bereits im Februar auch Vermögenswerte in Höhe von 7,2 Millionen Euro vorsorglich sichergestellt. Dies sei in einem solchen Verfahren ein üblicher Vorgang. Dabei seien Konten gepfändet und Sicherheitshypotheken auf Immobilien eingetragen worden.

Den BHW-Managern, darunter auch Vorstandsmitglieder, wird vorgeworfen, Anfang Dezember 2001 internes Wissen über einen drohenden Kursverlust der BHW-Aktie zum eigenen Vorteil ausgenutzt zu haben. Zwei Großaktionäre der BHW AG planten seinerzeit, sich von einem erheblichen Teil ihrer Aktien zu trennen. Knapp 60 Millionen Aktien sollten an der Börse platziert werden. Ein Aktienverkauf in dieser Größenordnung drückt erfahrungsgemäß den Kurs.

Die BHW-Manager sollen deshalb ihre 1997 zum Preis von 13,29 Euro erworbenen Aktien zum Kurs von etwa 30 Euro je Aktie verkauft haben. Dem bisherigen Ermittlungsstand zufolge strichen sie 7,2 Millionen Euro ein, was einem Volumen von rund 240.000 verkauften BHW-Aktien entsprechen würde. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover reichte der Erlös im Einzelfall von rund 3000 Euro bis zu 1,4 Millionen Euro.

Anfang Dezember sackte der BHW-Kurs vor allem infolge dieses Aktienverkaufs bereits um 25 Prozent ab. Mitte Januar kündigten die BHW Holding und der Deutsche Beamtenbund an, sie wollten 32,5 Prozent der BHW-Aktien an der Börse platzieren. Dieses Vorhaben wurde jedoch einen Monat später, unter anderem infolge eines weiteren Kursrutsches, wieder abgesagt.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüfte daraufhin nach Medienberichten über die Aktienverkäufe von Managern die Vorgänge und übergab das Verfahren nach mehreren Monaten an die Staatsanwaltschaft Hannover.

Die BHW-Zentrale hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Manager hätten sich korrekt verhalten. Die Sperrfrist für den Verkauf der eigenen Aktien war am 30. November 2001 abgelaufen.

Im Falle einer Verurteilung werde der Gesamterlös des Aktienverkaufs vom Gericht eingezogen, sagte Oberstaatsanwalt Knothe. Das Strafmaß für die Manager reiche von Geldstrafen bis zu fünfjährigen Freiheitsstrafen.

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