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03.01.2001

16:21 Uhr

Anleger flüchten

Große Unternehmen schaden dem Ruf des Neuen Marktes

Der Neue Markt steckt in seiner bisher größten Krise. An den ersten beiden Handelstagen im neuen Jahr ist der Index für die 50 größte Werte der Wachstumsbörse, der Nemax 50, jeweils um mehr als 10 % abgesackt. Institutionelle Anleger flüchten nach Händlerangaben aus dem Markt. Analysten sind verblüfft über plötzlich und unerwartet ausgegebene Gewinnwarnungen vieler bislang als profitabel geltender Unternehmen. Das Vertrauen in dieses zuvor so erfolgreiche Segment einer Wachstumsbörse schwindet rapide.

dpa-afx FRANKFURT. Am Mittwoch verlor der Nemax 50 bis zum frühen Nachmittag 11,95% auf 2.222,75 Punkte. der Nemax-All-Share büßte 9,98% ein auf 2.266,37 Zähler. Damit notierte der Nemax 50 als Index der 50 "Blue Chips" am Neuen Markt erstmals seit seinem Bestehen unter dem Nemax-All-Share.

Auslöser für diesen Zwei-Tage-Crash war am Dienstag eine Gewinnwarnung des Softwareunternehmens Intershop. Das Thüringer Unternehmen galt zuvor als eine der großen Erfolgsgeschichten am Neuen Markt. Nun ist es nach Mobilcom und EM.TV das nächste Flaggschiff, das Schlagseite hat. Die Nachricht bescherte dem Nemax einen Eintrag in die Geschichtsbücher: Der Markt erlebte der höchsten Kursverlust innrhalb eines Tages überhaupt.

Vertrauen der Anleger zerstört

Für die Analystin Wiebke Hagen ist damit das Vertrauen der Anleger in die deutschen Wachstumswerte erst einmal zerstört. Die Expertin der Hamburger Conrad Hinrich Donner Bank sagt, es werde Monate dauern, bis der Markt sich wieder fangen werde. Tomas Wolkenhauer, Analyst der KSK Pinneberg, sieht ebenfalls schwierige Wochen für den Neuen Markt kommen. Die großen Investoren würden sehr genau überlegen, in welche Werte sie investieren würden.

Als im Herbst vergangenen Jahres die ersten kleinen Unternehmen am Neuen Markt in Zahlungschwierigkeiten kamen, da hätten sich die großen Fonds und die institutionellen Investoren zunehmend auf die scheinbar stabileren Werte im Nemax 50 konzentriert, sagt Hagen: "Bisher hieß es immer, wenn am Neuen Markt investiert wird, dann in die großen Firmen im Nemax 50. Selbst die haben jetzt das Vertrauen der Anleger zerstört, und das ist ein ziemliches Problem."

Die Firmen und der gesamte Neue Markt werden hart daran arbeiten müssen, das verlorene Vertrauen wieder gut zu machen. Wolkenhauer erwartet, dass die Großanleger sich die einzelnen Unternehmen künftig noch genauer ansehen werden: "Sie werden jede einzelne Firma bis ins Detail durchleuchten und erst einmal beobachten, wer im Verlauf des Jahres Zahlen vorlegt, die dann im Rahmen der Erwartungen liegen." Entscheidend werde in den kommenden Monaten sein, wie die Wachstumsfirmen mit ihren bekannten Problemen umgehen. "Dass viele Unternehmen Probleme haben, das ist ja bekannt und auch in die Kurse eingerechnet. Gewinnen werden an der Börse diejenigen, die ihre Probleme erfolgreich lösen können."

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