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05.02.2002

19:02 Uhr

Anleger investierten im letzten Jahr 2,1 Mrd. Euro

Ethische Investments erfreuen sich wachsender Beliebtheit

VonMYRIA MILDENBERGER

Das Interesse an Geldanlagen, die ethische, ökologisch und soziale Kritieren beachten, wächst. Zum Jahresende 2001 haben die Anleger nach Zahlen des Hannoveraner Instituts Imug allein im deutschsprachigen Raum 2,1 Mrd. Euro in so genannten ethischen Investments angelegt. Im Vorjahr waren es 1,5 Mrd. Euro. "Angesichts des schwierigen Börsenjahrs 2001 ist das ein respektabler Zuwachs", sagt Kirein Franck, Leiter des Bereiches ethisches Investment bei Imug.

HB DÜSSELDORF. Den Aufwind in Deutschland, Österreich und der Schweiz spüren auch die Fondsanbieter und-verwalter. "In den letzten vier Jahren ist die Summe, die in ethischen Investments bei uns angelegt wurde, pro Jahr um 60 Prozent gewachsen", sagt Andreas Knörzer, Leiter des Bereiches Sustainable Investment bei der Schweizer Bank Sarasin. Am Anfang sei ethisches Investment nur ein Randthema gewesen. "Heute interessieren sich dafür ganz normale Anleger, die als Miteigentümer auch eine Mitverantwortung übernehmen wollen", sagt Knörzer.

Insgesamt betrachtet fließt bislang aber noch relativ wenig Geld in dieses Segment. Ethische Geldanlagen machen bislang gerade einmal 0,4 % des gesamten Anlagevolumens im deutschsprachigen Raum aus. Einer Studie der Universität Hannover zufolge interessiert sich aber fast die Hälfte der Deutschen für politisch korrekte Möglichkeiten, Geld zu investieren. Bernd Schanzenbächer, Vizepräsident im Umweltmanagement der Credit Suisse Group, erläutert, dass ethische Investments auch deswegen populärer geworden seien, weil gerade in den letzten beiden Jahren eine ganze Reihe von Banken neue Fonds in diesem Segment aufgelegt hätten - natürlich mit dem entsprechenden Marketing. Eine steigende Tendenz kann auch Rainer Matthes, Geschäftsführer der Metzler Investment feststellen: "In der Branche ist ethisches Investment spätestens mit der Riesterrente hoffähig geworden." Im Rahmen der Zertifizierung der Riester-Rentenprodukte müssen die Anbieter auch auflisten, wie viel Geld in ethische, ökologische oder soziale Anlagen fließt.

Bei ethischen Investitionsmöglichkeiten werden besondere ethische, soziale und ökologische Kriterien angelegt. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Rüstungs-, Tabak- oder Glücksspielunternehmen ausgeschlossen werden. Manchmal werden die Kriterien noch enger gefasst.

Genau hierin liegt die Schwierigkeit für den Privatanleger: Es gibt keine allgemeingültige Definition für ethische, soziale und ökologische Investments. "Die Anleger müssen sich vorher darüber im Klaren sein, was sie unter ethischen Anlagen verstehen", sagt Andreas Knörzer, Fondsmanager bei der Schweizer Bank Sarasin, die 1,7 Mrd. Euro nach nachhaltigen Kriterien verwaltet. Anleger müssten die Unternehmen ausschließen, die für sie auf keinen Fall für eine Anlage in Frage kommen.

"Je strikter man Ethik definiert, desto eingeschränkter werden die Anlagemöglichkeiten. Eine Diversifikation und damit eine Einschränkung des Risikos ist dann nicht mehr so einfach", sagt Rainer Matthes.

Was die Performance angehe, sehen ethische Anlagen nicht schlechter aus als gewöhnliche Investments, sagt Knörzer. Zum Vergleich: Im vorigen für Aktienfonds schwierigen Jahr machte etwa der Sarasin ÖkoSar ein Minus von 8,2 %, der Sarasin GlobalSar, ein normaler Fonds, musste mit minus 8,5 % einen etwas größeren Verlust verkraften. Aber auch bei der Performance gilt laut Knörzer: "Je mehr Werte man aus ethischen Gesichtspunkten ausschließt, desto geringer sind die Chancen."

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