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29.03.2003

08:00 Uhr

Anleger verlangen bei Anleihen aus Lateinamerika höhere Risikoaufschläge als bei osteuropäischen Bonds

Bei Schwellenländern locken hohe Renditen

VonAndrea Cünnen

Seit vergangenem Herbst haben sich die Bonds von Schwellenländern sehr gut entwickelt. Die Renditen sind aber immer noch hoch und ziehen Investoren an. Das gilt besonders für Anleihen aus Lateinamerika. Hohe Risiken lauern dort besonders in Venezuela und Uruguay. In Europa machen türkische Anleihen den Anlegern Sorgen.

FRANKFURT/M. Der Krieg gegen den Irak hat an den Kapitalmärkten auch die Anleger in Anleihen von Schwellenländern nervös gemacht. Bei allen Ländern berichten Händlern von deutlichen Kursschwankungen der Bonds. "Im Prinzip ist die Rally der Emerging- Market-Bonds, die im vergangenen September und Oktober begonnen hat, aber noch intakt", sagt Beda Kronlage, Rentenanalyst bei der WGZ-Bank.

Seit vergangenem Herbst sind die Risikoaufschläge (Spreads) gemessen am "EMBI+"-Index von JP Morgan von gut 1000 Basispunkten (10 Prozentpunkten) auf etwa 680 Basispunkte gegenüber Staatsanleihen gesunken (s. Grafik). Renditen und Risikoaufschläge fallen, wenn die Kurse der entsprechenden Anleihen steigen. Überdurchschnittlich gut schnitten die Anleihen Brasiliens, Ecuadors und Perus ab. Dabei haben letztere allerdings keine Anleihen in Euro ausstehen. Bei Brasilien fürchten einige Banken jetzt Gewinnmitnahmen. Die Fundamentaldaten wie die Entwicklung der Staatsfinanzen werden aber weitgehend positiv gesehen. Das gilt auch für Kolumbien, obwohl auch dieses Land von den Ratingagenturen noch als schwacher Schuldner eingestuft wird.

Analysten beobachten, dass Anleger verstärkt südamerikanische Anleihen kaufen und dafür Anleihen aus osteuropäischen Schwellenländern verkaufen. "Die Investoren sind risikobereiter geworden und wollen sich die höheren Renditen aus Südamerika sichern", erläutert Kronlage. Wenn der Krieg im Irak aber noch länger dauern sollte und sich keine zumindest moderate Erholung der Wirtschaft in diesem Jahr abzeichne, könne sich dies auch wieder ändern.

"Osteuropäische Schwellenländer müssen generell weniger Rendite als südamerikanische zahlen, weil Europa insgesamt eher als Stabilitätszone wahrgenommen wird", erklärt Janis Hübner, Rentenexperte bei der DZ Bank. Dabei sind auch die Risiken der osteuropäischen Länder zum Teil hoch, wie die Bonitätsbewertungen zeigen. Die Ratingagenturen stufen Rumänien, Russland, Bulgarien und die Türkei mit Noten innerhalb der Spekulationsklasse - also von Doppel-B an abwärts - ein. Bei Bulgarien erwartet Commerzbank Securities allerdings, dass das Land im nächsten Jahr eine Bonitätsnote innerhalb der sichereren Investitionsklasse erhält.

Nach einer Investoren-Umfrage von JP Morgan sind Profis derzeit bei rumänischen Anleihen im Vergleich zum "EMBI+"-Index am meisten übergewichtet. Dagegen reduzierten Fondsmanager ihre Anteile russischer Bonds, die dank des guten Wirtschaftswachstums Russlands seit langem Liebling der Anleger waren. Inzwischen gelten die Renditen aber als recht niedrig und die Bonds somit als teuer.

Die höchsten Renditen in Osteuropa bieten derzeit türkische Bonds. Experten raten aber vom Kauf der Papiere ab. Größtes Problem sei die Inlandsverschuldung, sagt Hübner von der DZ Bank. Türkische Lira-Anleihen mit etwa einem Jahr Laufzeit rentieren zu rund 60 %, dabei liegt die Inflation bei "nur" 27 %. Auf Dauer könne sich die Türkei so nicht refinanzieren, sagt Hübner. Da Ankara den US-Streitkräften die Stationierung in der Türkei nicht erlaubt, kann die Türkei nicht mehr auf eine Finanzspritze der USA über 30 Mrd. $ hoffen. Ein Kredit über 8,5 Mrd. $ steht aber noch im Raum, ebenso wie Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF).

In Südamerika ist der Kauf von Bonds aus Venezuela und Uruguay besonders riskant. In Venezuela gilt die Wirtschaftslage als sehr kritisch. Außerdem werden weitere politische Unruhen befürchtet. Uruguay will Investoren dazu bringen, Dollar-Anleihen über bis zu 3 Mrd. $ umzuschulden. Dies werten Analysten als Zeichen für die extreme Schwäche des Landes.

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