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21.02.2003

08:25 Uhr

Anleihe unter der Lupe

Heidelberg Cement ist nur auf den ersten Blick attraktiv

VonAndrea Cünnen

Nicht nur bei den Aktien, sondern auch bei den Anleihen der Heidelberg Cement AG sind Analysten vorsichtig. Ähnlich wie die Dividendenpapiere sind auch die Kurse der Bonds des Zementherstellers auf Talfahrt gegangen. Dabei spielt nicht nur die schwache Nachfrage angesichts der schlechten Konjunktur eine Rolle.

FRANKFURT/M. Das niedrige Kursniveau lässt die Anleihen indes auf den ersten Blick attraktiv erscheinen, da die Renditen von festverzinslichen Wertpapieren steigen, wenn ihre Kurse fallen. So rentiert zum Beispiel die in vier Jahren fällige mit 1 Mrd. Euro liquideste Anleihe von "Heidelzement" mit fast 8 %.

Martin Hochstein, Leiter des Rentenfondsmanagements bei der SEB Invest, warnt aber davor, die Anleihe auf Grund der hohen Rendite "vom Fleck weg zu kaufen". Das sei erst empfehlenswert, wenn sicher sei, dass die Ratingagenturen die Bonität von Heidelberg Cement nicht aus dem Bereich Investment Grade fallen lassen. Diese Gefahr ist jedoch recht hoch. Gestern setzte die Ratingagentur Moody?s das Baa2-Rating des Konzerns auf die Überprüfungsliste mit negativem Vorzeichen. Vom spekulativen Junkbond-Status ist Heidelberg bei Moody?s zwar noch zwei Stufen entfernt, in jüngster Zeit hat Moody?s aber mehrere Unternehmen um gleich zwei Stufen abgewertet. Bei Standard & Poor?s (S&P) liegt die Bonität von Heidelberg nur noch eine Stufe über dem Ramschniveau. Der Ratingausblick ist negativ.

S&P hatte die Bonität von Heidelberg Cement Ende Januar gesenkt als der Konzern bekannt gab, dass er seine Beton-Tochter Heidelberg Building Materials Europe (HBE) doch nicht verkaufen werde. Von dem Verkauf hatte sich Heidelberg-Chef Hans Bauer Branchenkreisen zufolge einen Erlös von 800 Mill. Euro erhofft. Dieser sollte zum Abbau der Schulden verwendet werden, die Ende des dritten Quartals 2002 bei rund 4,8 Mrd. lagen. Damit waren die Verbindlichkeiten gut sechsmal höher als der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda).

Im gesamten Geschäftsjahr sollen die Nettoschulden auf 4,3 Mrd.Euro gesunken sein, das ist aber Analysten zufolge immer noch zu hoch. "Die Verschuldung muss weiter zurückgefahren werden", meint beispielsweise Arndt Muthreich. Er leitet bei Dresdner Kleinwort Wasserstein das Research für europäische Unternehmensanleihen, die von den Ratingagenturen als Investitionsklasse eingestuft werden.

Von den heute erwarteten vorläufigen Zahlen des Konzerns sollten sich Investoren keine zu großen Erkenntnisse erhoffen, sagt Muthreich. Voraussichtlich würden hauptsächlich Umsatzzahlen bekannt begeben. Hier rechnen von der Nachrichtenagentur Dow Jones befragte Analysten im Schnitt mit einem Rückgang um 2,7 % auf 6,51 Mrd. Euro.

In der nächsten Zeit hängt das Wohl und Wehe des Konzerns an den Banken. Zwar stehen dem Unternehmen laut Fondsmanager Hochstein noch nicht Anspruch genommene Bankkredite von 1,3 Mrd. Euro zu. Davon seien aber nur rund 460 Mill. Euro sicher, der Rest müsse noch konkret verhandelt werden. "Das kann angesichts der restriktiven Kreditvergabe-Politik der Banken zum Problem werden", sagt Hochstein. Mit Verkäufen von Vermögensteilen kann der Konzern in absehbarer Zeit seine Verschuldung nicht spürbar drücken. Heidelberg Cement selbst peilt nach dem gescheiterten HBE-Verkauf nur noch Erlöse von 250 Mill. Euro durch Asset-Verkäufe an.

Die Verschuldung könnte sich zudem noch durch eine Strafe des Bundeskartellamts erhöhen. Denn die das Verfahren des Bundeskartellamts wegen unerlaubter Preisabsprachen deutscher Zementhersteller schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Konzern. Jüngst erneut kolportierte Gerüchte über eine Strafe von 400 Mill. Euro für Heidelberg halten Analysten zwar für zu hoch, doch 200 Mill. Euro könnten es laut Muthreich schon werden.

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