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10.01.2003

07:30 Uhr

Anleihe unter der Lupe

Imperial Tobacco bringt Stabilität ins Depot

VonAndrea Cünnen

Geraucht wird immer: Konjunkturflaute, Krebsrisiken und immer mehr rauchfreie Zonen können den Tabakkonsum nicht stoppen.

FRANKFURT/M. Weltweit werden jährlich mehr als fünf Billionen Zigaretten produziert, bis 2006 sollte diese Zahl leicht steigen, prognostiziert die Research-Firma Euromonitor International. Das bedeutet sichere Einnahmequellen für die Produzenten, weshalb Tabakanleihen generell als defensive Investition gelten - obwohl die Branche in den USA seit Jahren von kranken Rauchern mit Milliardenklagen überzogen wird. Darüber macht sich Imperial Tobacco wenig Sorgen, denn in den USA ist der weltweit viertgrößte Tabakkonzern kaum vertreten. Den Hauptumsatz macht Imperial Tobacco in seinem Heimatmarkt Großbritannien. Im übrigen Europa verkauft Imperial unter anderem denTabak Van Nelle sowie die Reemtsma-Marken West und Davidoff.

Im vergangenen Frühjahr hatte Imperial Tobacco die Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH für rund 5,8 Mrd. übernommen und sich dafür insgesamt 2,8 Mrd. in Euro und Pfund Sterling am Anleihemarkt besorgt. Seitdem sind die Kurse der Bonds deutlich gestiegen. Entsprechend fiel die Rendite zum Beispiel der im Juni 2007 fälligen Anleihe über 1,5 Mrd. von 6,31 % auf derzeit 4,45 %.

Dass sich die Rally derart fortsetzen wird, ist zwar unwahrscheinlich, dennoch sind Bonds von Imperial Tobacco für Goldman Sachs weiterhin die Favoriten unter den Tabakanleihen. Auch die Deutsche Bank empfiehlt Imperial zum Kauf. "Gemessen an den Renditen anderer nicht-zyklischer Unternehmen bietet Imperial Tobacco einen ansehnlichen Aufschlag", sagt James Maxwell von der Deutschen Bank. Die Experten betonen das geringe Risiko der Investition. Weder US-Klagen noch weitere Übernahmen bedrohen die Kreditwürdigkeit Imperial Tobaccos. Auch neue Imperial-Anleihen werden in diesem Jahr nicht erwartet, so dass Investoren auf die im Handel umlaufenden Bonds zurückgreifen müssen. "Den gestiegenen Schulden stehen ein solides Geschäft und gute fundamentale Rahmenbedingungen gegenüber", erklärt Maxwell.

Der Konzern selbst hat mehrfach bekräftigt, dass er sein Bonitätsrating innerhalb der Investitionsklasse halten will. Als Investitionsklasse gelten Bonitätsnoten der Ratingagenturen zwischen AAA und BBB- (Standard & Poor?s und Fitch) bzw. Aaa und Baa3 (Moody?s). Die Ratingagentur Moody?s senkte das Rating für Imperial Tobacco nach der Reemtmsa-Übernahme auf Baa3. Dabei sind die Ratingaussichten aber stabil. Standard & Poor?s bewertet Imperial mit BBB, noch eine Stufe besser als Moody?s.

Für das im September beendete Geschäftsjahr 2002 von Imperial Tobacco schätzt Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW), dass die Nettoschulden 4,4 mal höher sind als das operative Ergebnis. "Diese Zahl darf aber nicht überbewertet werden", sagt Bob Dockray von DKW. Denn in den Nettoschulden sei die Reemtsma-Akquisition vollständig enthalten, in das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen, (Ebitda) seien aber nur Reemtsma-Ergebnisse aus viereinhalb Monaten eingeflossen. Von daher dürfte sich das Verhältnis im nächsten Jahr deutlich verbessern. Dockray sieht die Anleihen von Imperial Tobacco auf dem aktuellen Niveau fair bewertet, hebt aber ebenfalls die voraussichtliche Stabilität der Investition positiv hervor.

Telekom - und Autobonds bieten zwar bei teils besseren Ratings noch höhere Renditen. Analysten befürchten aber, dass sich die Ratings in diesen Branchen verschlechtern werden - mit entsprechenden Auswirkungen auf die Anleihen.

Sollten die Ratingagenturen entgegen der Erwartungen Imperial Tobacco herunterstufen, steigen die Zinsscheine der zuletzt begebenen Bonds automatisch um 1,25 %. Das bedeutet für Privatanleger, dass sie mögliche Kursgewinne der Anleihen auf jeden Fall versteuern müssen.

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