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25.01.2007

14:01 Uhr

Anreise der Tagungsteilnehmer

„Mein Gewissen ist rein“

VonAndrea Tichy

Darf man als professioneller Weltverbesserer über die Veränderung des Klimas und die Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes sorgenvoll und abgefüllt mit Verantwortungsethik bis zur Halskrause reden - aber auf dem Weg nach und von Davos den Flieger benutzen? Und so Tonnen und immer neue Tonnen umweltschädigender Stoffe in den Weltuntergang pusten?

DAVOS. Damit das World Economic Forum keinen Schatten aufs Weltklima wirft, sind alle Teilnehmer aufgerufen, ihre Teilnahme klimaneutral zu gestalten. Denn die "Davos Climate Alliance" hat ehrgeizige Pläne: Zu hundert Prozent möchte die Initiative in diesem Jahr den energetischen Fußabdruck der rund 2 400 Teilnehmer ausgleichen. Im vergangenen Jahr gelang es immerhin zu 60 Prozent, die klimaschädigenden Spuren von Flugzeugen, Helikoptern, Autos und Hotelklimatisierung der nach Davos angereisten Global Leaders zu verwischen.

Dies geschieht, indem für den durch die Teilnehmer verursachten Kohlendioxid-Ausstoß Emissionszertifikate gekauft werden. Diese Zertifikate werden durch die Wiederherstellung und den Ausbau eines Wasserkraftwerks in West Sumatra, Indonesien, erzeugt: Während die Leistung des "Salido Kecil Minik Hydro Power Plant" derzeit 85 KW nicht übersteigt, soll das Kraftwerk nach dem Ausbau die Energie des Salido-Flusses besser nutzen und so eine Leistung von 1,15 MW erzeugen. Rund 4 200 Tonnen Kohlendioxid (CO2) sollen sich damit im Vergleich zu herkömmlicher Technologie jährlich einsparen lassen. Dieser Differenzbetrag an eingespartem CO2 wird dafür verwendet, die durch das World Economic Forum entstandene CO2-Belastung auszugleichen.

Kritiker derartiger Kompensationsprojekte sprechen von modernem Ablasshandel. Befürworter finden eine Reihe von Argumenten dafür, warum die Aktion nützlich ist. "Unsere ultramobile und Energie verschlingende Zivilisation braucht alternative Konzepte, um sowohl die Bedürfnisse der Gesellschaft wie auch das Ziel verringerter CO2-Emissionen zu erfüllen", sagt Alexander J.B. Zehnder, Ratspräsident der ETH Zürich. "Die Davos Climate Alliance sollte den Einsatz solcher Technologien und alternativen Konzepte im globalen Markt fördern." Über die Einsparung an CO2-Emissionen bringen Projekte wie das Salido-Wasserkraftwerk noch eine Reihe anderer Vorteile: So führt das Projekt zu einer stabileren Stromversorgung und schafft durch Bau und Betrieb Arbeit für Menschen in der Region.

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