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27.01.2003

08:21 Uhr

Anstieg der europäischen Gemeinschaftswährung löst Zukäufe in Asien aus

China stockt seine Euro-Reserven auf

VonMarkus Gärtner (Handelsblatt)

Die chinesische Notenbank hat laut Devisenhändlern ihre Euroreserven in jüngster Zeit mehrfach erhöht. Gleichzeitig steigt die Nachfrage bei Geschäftsbanken nach der Währung deutlich an.

mg PEKING. Der Höhenflug des Euros hat Chinas Notenbank - die Hüterin der weltweit zweithöchsten Währungsreserven mit knapp 290 Mrd. Dollar - auf den Plan gerufen. In den vergangenen Wochen, sagen Devisenhändler in Hongkong und Peking, sei die People?s Bank mehrfach als Käufer der Gemeinschaftswährung aufgetreten.

"Der Euro-Anteil an unseren Reserven ist gestiegen", bestätigt anonym ein hoher Mitarbeiter der chinesischen Zentralbank, ohne einen Zeitraum oder gar das Volumen der Transaktionen zu beziffern. Die People?s Bank macht prinzipiell keine Angaben zu der Aufteilung ihrer Reserven. Doch im November 2001, als die Notenbank Chinas zuletzt in größerem Umfang ihre Euro-Reserven aufstockte, sagte der damalige Vize- Gouverneur Guo Shuqing, die Zusammensetzung der Reserven hänge von drei Faktoren ab: Dem aktuellen Zustand des internationalen Währungssystems, der chinesischen Außenhandels- und Schuldenstruktur sowie dem Zustand der Kapitalmärkte. Im Klartext: Wenn der Euro wie jetzt stärker wird, steigt das Interesse in China.

Das Land hielt vor der Einführung des Euros als Buchwährung rund 19 Prozent seiner Reserven in europäischen Währungen, vor allem in D-Mark und französischen Francs. Anfang November 2001 bestätigten Mitarbeiter der State Administration of Foreign Exchange, Chinas Wechselkursbehörde, gegenüber deutschen Bankern, dass sie "vor allem bei längerfristigen Investments stärker in Euro gehen". Ministerpräsident Zhu Rongji verriet im selben Monat während des Chinabesuchs von Bundeskanzler Gerhard Schröder einem deutschen Delegationsmitglied, China wolle weitere Devisen in den Euro umschichten.

Die chinesischen Notenbänker hatten den Euro nach seiner Einführung als Buchwährung zunächst etwa zwei Jahre zurückhaltend beobachtet. Doch als sie Ende 2001 und Anfang 2002 den Euro-Anteil aufstockten, überholte die Gemeinschaftswährung nach Angaben chinesischer Notenbanker den japanischen Yen als zweitwichtigste Währung in Chinas Reserven. Auch Südkoreas Notenbank meldete dies im Frühjahr 2002. Der Anstieg des Euros auf über 1,08 zum US-Dollar hat offenbar jetzt Zukäufe ausgelöst. China will ohnehin langfristig den Euro-Anteil an seinen Reserven auf bis zu 35 Prozent erhöhen, wie führende Mitarbeiter der Notenbank in der Vergangenheit bestätigten.

Auch Geschäftsbanken in Peking melden dieser Tage eine deutlich steigende Euro-Nachfrage. Eine Niederlassung der Communications Bank in Peking wird in der "Beijing Morning Post" mit dem Hinweis zitiert, das private Devisengeschäft sei um 30 Prozent gestiegen. Das staatliche Fernsehen informiert die Chinesen zunehmend über die Vorgänge an den Devisenmärkten.

Und Schwarzhändler in Chinas Hauptstadt bestätigen ebenfalls eine steigende Euro-Nachfrage. Doch das beruht nicht nur auf Devisionspekulationen, sondern auch auf der zunehmenden Reisefreude der Chinesen, im vergangenen Jahr reisten 37 Prozent mehr ins Ausland. Als Touristen müssen sie sich vor Antritt ihrer Reise Devisen des Ziellandes beschaffen. Bislang sind Japan, Russland und Thailand ihre Lieblingsziele, immer häufiger reisen sie aber in europäische Länder. Diese haben erst in jüngster Zeit das chinesische Gütesiegel Advanced Destination Status (ADS) bekommen, was Chinesen die Urlaubsreise dorthin erlaubt. Ab 15. Februar dürfen Chinas Reisebüros Gruppenreisen nach Deutschland vermarkten.

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