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22.02.2002

16:16 Uhr

Anstrengende Achterbahnfahrt

Wall Street mit flachem Handelsauftakt

VonWALL STREET CORRESPONDENTS

Eine Seefahrt die ist lustig, eine Achterbahnfahrt eher anstrengend - der Wall Street geht zum Wochenende die Puste aus. Die großen Indizes haben den letzten Handelstag der Woche im Minus begonnen.

NEW YORK. Mit knapp behaupteter Tendenz sind die Titel an der Wall Street am Freitag in den Handel gegangen. Der Dow-Jones-Index sank bis 15.40 Uhr (MEZ) um 0,2 % oder 20,48 Punkte auf 9 814,20. Der S&P-500-Index ermäßigt sich um ebenfalls 0,2 % oder 2,57 Zähler auf 1 078,38. Der Nasdaq-Composite-Index verliert 0,3 % oder 5,97 Stellen auf 1 710,27.

Nachdem am Donnerstag erstmals seit Beginn des Afghanistan-Krieges Nachrichten aus dem militärischen Umfeld für Aufregung auf dem Parkett sorgten und auf die Kurse drückten, sind es zum Wochenschluss wieder Unternehmensmeldungen und Kommentare der Analysten, die das Geschehen bestimmen. Zu den aktivsten Sektoren gehören dabei die Chips: Branchengigant Intel , der am Donnerstag durch negative Analystenkommentare der Bank of America unter Druck geraten war, wird nun von Bear Stearns verteidigt, wo man an einer "Kauf"-Empfehlung festhält. Intels Ausblick für das zweite Halbjahr sei attraktiv, man könne dem Konkurrenten Advanced Micro Devices weitere Marktanteile abjagen. Intel verbessert sich um 1,6 Prozent, AMD gewinnt 2 Prozent.

Die Analysten von JP Morgan nehmen sich unterdessen der mittelgroßen Unternehmen des Sektors an und stufen Xilinx und Altera auf "kaufen" auf. Anleger hätten die Unternehmen zuletzt zu sehr auf die Telekomchip-Sparte beschränkt und unangemessen verkauft. Sowohl Xilinx als auch Altera machten 70 Prozent ihres Umsatzes aber in anderen, stabileren Chip-Sektoren, so die Experten. Papiere von Xilinx gewinnen 3,5 Prozent, Altera legt 2 Prozent zu. Robertson Stevens nennt RF Micro Devices und Triquint "Marktperformer", die Aktien verbessern sich um 4 beziehungsweise 2 Prozent.

Bei Cisco sind Anleger am Morgen weiter vorsichtig. Die Aktie hat seit Jahresbeginn schon 30 Prozent verloren, doch die Analysten der UBS Warburg sind weiter vorsichtig, was den mittelfristigen Ausblick für den Netzwerkkonzern angeht. Sie bleiben bei ihrer Empfehlung auf "kaufen", setzen aber die Gewinnerwartungen für 2002 und 2003 herab und senken das Kursziel um 2 Dollar auf 21.50 Dollar. Die Aktie verliert 2,2 Prozent auf 14,80 Dollar.

Ebenfalls auf der Verliererstraße fahren die Software-Aktien. BEA Systems hatte am Vorabend enttäuschende Quartalsergebnisse vorgelegt. Bei einem Umsatzrückgang um fast 10 Prozent sei der Gewinn um 44 Prozent gefallen, für die nahe Zukunft sieht man nur eine flache Entwicklung. Bea Systems verliert 9,5 Prozent. Nach dramatischen Verlusten zum Wochenbeginn verliert auch Computer Associates erneut 4 Prozent. Die Analysten von Salomon Smith Barney stufen das Papier ab.

Weiter unter Druck stehen auch die Banken. JP Morgan verliert erneut mehr als 4 Prozent. Nachdem das Unternehmen für undurchsichtige Verstrickungen in die Enron-Pleite bereits Hiebe einstecken musste, ermittelt die New York Fed nun in bezug auf einen Deal der zu JP Morgan gehörenden Chase Bank mit dem Öl-Multi Mahonia. Zudem klingt eine "Kauf"-Empfehlung der UBS Warburg nicht überzeugend. Trotz des positiven Ratings warnen die Analysten vor Risiken im Zusammenhang mit Argentinien, Buchhaltungsfragen, Turbulenzen im Management und dem schwierigen Umfeld in Privatkundengeschäft und Investment Banking.

Nicht besser präsentieren sich die Brokerhäuser, die sektorweit im Minus stehen. In 2002 gab es erst 8 Börsengänge, damit ist der IPO-Markt so schwach wie zuletzt 1980. Zudem leiden die Unternehmen, wie die Banken, unter den Bilanz-Krisen bei Enron und einigen Telekomriesen, und unter dem allgemein schwachen Handel. Die UBS Warburg senkt am Morgen die Gewinnerwartungen für die Firmen.

Größter Verlierer ist am Morgen jedoch Circuit City. Drei Tage nach dem ersten großen Kurssturz für die Aktien der Elektronikhändler, und zwei Tage, nachdem einige Analysten die Papiere verteidigt hatten, scheint klar, dass das große Comeback für Hightech weiter auf sich warten lässt. Circuit City warnt, dass die Nachfrage im Januar und Februar unerwartet schlecht verlaufen sei. Für 2002 sei lediglich mit einem Gewinn von 62 bis 65 Cents pro Aktie zu rechnen. Die durchschnittlichen Analystenschätzungen liegen bei 93 Cents. Circuit City verliert 27 Prozent. Auch Konkurrent Best Buy gibt 5,5 Prozent ab, obwohl Salomon Smith Barney eine "Kauf"-Empfehlung bestätigt.

Größter Gewinner ist am Morgen die Aktie des Industrieriesen TRW . Der Rüstungskonzern Northrop Grumman , einer der besten Performer im S&P 500 seit dem 11.September, hat dem Unternehmen ein Übernahmeangebot unterbreitet. Northrop Grumman will sich vor allem die Rüstungs- und Raumfahrtsparte des Multis einverleiben und die Auto- und Autoelektroniksparte abschieben. Die Aktie von TRW legt im vorbörslichen Handel um 23 Prozent zu und notiert bereits deutlich über 47 Dollar, dem Übernahmekurs, den Northrop Grumman genannt hat. Die Aktie von Northrop Grumman gibt derweil 7 Prozent ab.

Konkurrent General Dynamic verliert 4 Prozent. Eine Abstufung durch Goldman Sachs belastet das Papier, die Analysten erwarten, dass die Nachfrage nach Flugzeugen zurückgehen und auf das Ergebnis von General Dynamic drücken wird.

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