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24.04.2003

16:47 Uhr

Antrittsrede weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Garner will Iraker „ans Licht führen“

"Wer soll uns denn nun eigentlich regieren? Dieser amerikanische General, wie heißt er eigentlich, Gardner oder Garden?", fragt ein irakischer Arzt am Eingang des Republikanischen Präsidentenpalastes in Bagdad. Passanten betrachten teils neugierig, teils feindselig die US-Soldaten, die am Eingang Wache stehen. Dahinter, in der Konferenzhalle, erklärt der von den Amerikanern eingesetzte Irak-Verwalter Jay Garner, wie die von ihm geleitete Verwaltung aussehen soll. Ihr sollen 350 Amerikaner, einige Briten, Japaner und Australier angehören. 30 handverlesene irakische Akademiker und eine Gruppe von Journalisten hören Garner zu.

HB/dpa BAGDAD. Die meisten Fragen - etwa wer künftig über die Verwendung der Öleinnahmen entscheiden soll - bleiben aber unbeantwortet. "Ich habe keinen fertigen Plan in der Tasche und will mal sehen, wie sich alles entwickelt", erklärt der Ex-General selbstbewusst. Auch das Datum für das Ende seiner Tätigkeit im Irak nennt er nicht. "Ich habe dafür keinen Kalender, aber es wird schneller gehen als manche denken."

Garner ist nach eigenen Worten überzeugt, dass die Menschen zwischen Mosul und Basra noch eine Weile brauchen werden, bis sie eine irakische demokratisch legitimierte Regierung wählen können. "Bis auf die Kurden im Norden haben die Menschen im Irak 30 Jahre lang ein Leben in der Finsternis geführt, sie blinzeln jetzt zum ersten Mal ins Licht", sagt Garner. "Es ist sehr schwierig, die Menschen aus der Dunkelheit ans Licht zu führen."

"Sollen wir uns jetzt tatsächlich von diesen Amerikanern sagen lassen, wo es lang geht"?, fragt eine irakische Journalistin. Ein irakischer Hilfssoldat, der mit einer Einheit der US-Armee ins Land gekommen ist und an diesem heißen Apriltag für Garner und seine Verwaltung Wache schiebt, zuckt nur mit den Schultern.

Bis Garners Botschaft vom "Weg ins Licht" die Menschen in den Dörfern und in den Armenvierteln von Bagdad erreicht, wird es wohl noch einige Tage dauern. Denn jetzt, wo es kein staatliches Fernsehen mehr gibt, konnten nur diejenigen die Antrittsrede des Ex-Generals verfolgen, die sich einen Satellitenempfänger leisten können. Die Geräte plus Empfangsschüssel waren unter Saddam verboten und werden in Bagdad inzwischen am Straßenrand verkauft - für 200 ? aufwärts.

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