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07.01.2003

14:02 Uhr

Anwalt beantragt Entzug des Sorgerechts für „Eve“ gegen Eltern

Neuer Wirbel um angebliches Klon-Baby

Der amerikanische Journalist Michael Guillen hat sich von der Firma Clonaid distanziert und sein Vorhaben aufgegeben, den Nachweis für das erste angebliche Klonbaby zu erbringen. In einer Erklärung, die er am Montagabend in New York verbreitete, schreibt Guillen, "es ist absolut möglich, dass Clonaids Ankündigung (von angeblichem Klonbaby) Teil eines groß angelegten Täuschungsmanövers ist, das der Raelianer-Sekte Publizität verschaffen sollte".

HB/dpa NEW YORK. Die Clonaid-Direktorin Brigitte Boisselier hatte die Geburt des angeblich geklonten Babys "Eve" am 27. Dezember in Florida bekannt gegeben. Sie ernannte Guillen, der bis vor kurzem als Wissenschaftskorrespondent des US-Fernsehsenders ABC gearbeitet hatte, zum unabhängigen Gutachter und beauftragte ihn damit, ein Expertenteam seiner Wahl zusammenzustellen.

Dieses sollte der Mutter der kleinen "Eve" und dem Kind je eine Blutprobe entnehmen und das darin enthaltene Erbgut vergleichen. In seiner Erklärung beklagt Guillen, dass die von ihm ausgewählten Mediziner bis heute nicht den versprochenen Zugang zu dem angeblich geklonten Mädchen bekommen hätten. Damit sei auch der Nachweis von Boisseliers Aufsehen erregender Behauptung nicht möglich.

Clonaid hat die Zusage, die Wissenschaftler mit Mutter und Kind zusammenzubringen, inzwischen zurückgenommen und seine Kehrtwendung damit begründet, dass die Eltern der kleinen "Eve" noch Bedenkzeit bräuchten. Auch die Eltern eines zweiten, angeblich ebenfalls von Clonaid geklonten Kindes in den Niederlanden bestehen nach Angaben der Sekte auf ihrer Anonymität.

Raelianer sind die Anhänger von Claude Vorilhon, einem aus Frankreich stammenden Schlagersänger und Rennfahrer, der sich Rael nennt. Er sieht im Klonen den einzigen Weg zum ewigen Leben. Die Raelianer behaupten, dass Außerirdische die ersten Menschen geklont haben und dass aus diesen Klonen die heutigen Menschen entstanden. Sie gründen ihren Glauben auf eine angebliche Begegnung von Rael mit Außerirdischen, die nach seiner Erzählung in den 70er Jahren auf einem Vulkan in Frankreich gelandet waren.

Derweil hat der Rechtsanwalt Bernard Siegel in Florida bei Gericht beantragt, den Eltern von "Eve" das Sorgerecht zu entziehen. Klonen sei ein großes Wagnis, das enorme Gefahren für das Kind berge und damit als "Kindesmissbrauch" einzustufen sei. Siegel will Clonaid zwingen, vor Gericht alle Daten offen zu legen und einen genetischen Beweis für das Klonkind zu erbringen.

Die "New York Times" berichtete am Sonntag, dass der von Clonaid gewählte Gutachter, Michael Guillen, längst nicht so "unabhängig" ist wie von Boisselier ausgegeben. Guillen habe Monate vor Bekanntgabe des ersten angeblichen Klonbabys mehrere große TV-Sender in den USA angeschrieben und ihnen einen Exklusivbericht zu diesem Ereignis angeboten. Für die Dokumentationssendung habe er einen sechsstelligen Betrag als Honorar verlangt, schrieb die Zeitung. Doch sowohl CNN als auch die Sender ABC, NBC, CBS und HBO lehnten sein Angebot ab.

In einem Schreiben an die "New York Times", der Guillen ebenfalls einen exklusiven Klonbericht zu verkaufen versuchte, erläuterte der Journalist: "In den vergangenen fünf Jahren habe ich mit allen Forschern weltweit, die Menschen klonen wollen, eine enge Beziehung entwickelt. In der Tat weiß ich besser als einer von ihnen darüber Bescheid, was sich auf diesem Gebiet ereignet, weil sich alle mir anvertraut haben."

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