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08.08.2000

08:00 Uhr

Anwar und Mitangeklagtem wurden "homosexuelle Übergriffe" vorgeworfen

Neun Jahre Haft für Malaysias Ex-Vizepremier Anwar Ibrahim

Vize-Regierungschef Anwar Ibrahim, der sich gegen Regierungschef Mahathir Mohamad gestellt hatte, ist am Dienstag homosexueller Übergriffe für schuldig befunden worden.

dpa/afp KUALA LUMPUR. Malaysias ehemaliger Vize-Ministerpräsident Anwar Ibrahim ist am Dienstag wegen verbotener homosexueller Kontakte zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Das berichtete die malaysische Nachrichtenagentur Bernama. Der High Court in der Hauptstadt Kuala Lumpur hatte den 52-Jährigen zuvor schuldig besprochen. Anwar verbüßt bereits eine sechsjährige Gefängnisstrafe wegen Amtsmissbrauchs.

Auch der Mitangeklagte Sukma Darmawan wurde für schuldig befunden, zwischen Januar und März 1993 sexuelle Übergriffe gegen den früheren Chauffeur der Anwar-Familie verübt zu haben.

Bereits im April hatte ein Berufungsgericht Anwars Verurteilung wegen Korruption zu sechs Jahren Haft bestätigt. Anwar bestreitet die Vorwürfe und sprach in der Vergangenheit von politischer Verschwörung. Er war im September 1998 von Ministerpräsident Mahathir Mohamad aus dem Amt entlassen und kurz darauf festgenommen worden, nachdem er Massenproteste gegen die Regierung angeführt hatte.

Verurteilter nahm Richter in Schutz

Der Sex-Prozess gegen den 52-jährigen Anwar hatte 14 Monate gedauert. Zeitweilig hatte der Chauffeur Azizan Abu Bakar seine Aussage widerrufen. Die Staatsanwaltschaft änderte zudem zweimal die Jahresangabe für die Vorwürfe. Der frühere Vize-Regierungschef machte vor Gericht einen gefassten Eindruck. Er könne den Richter nicht verantwortlich machen. Dieser befolge lediglich Anweisungen, sagte Anwar.

Der Richter Arifin Jaka sagte, der Chauffeur sei zehn Tage lang ins Kreuzverhör genommen worden. Es habe einige Diskrepanzen in seiner Aussage gegeben, aber dies sei geklärt worden. Azizans Angaben seien zudem durch das Geständnis von Sukma bestätigt worden. Dieser hatte seine Angaben zwischenzeitlich jedoch auch widerrufen und erklärt, die Polizei habe ihn zur Aussage gezwungen.

Vor dem Gericht waren rund 500 Polizisten postiert. Es gab jedoch zunächst keine Zwischenfälle. Zwei Menschen wurden festgenommen.

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