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06.02.2002

19:03 Uhr

Anziehende US-Konjunktur könnte Yen-Schwäche jedoch ausgleichen

Furcht vor weiterem Verfall des Yen

VonOliver Müller

Ein Gespenst geht um in Asien: Japans Nachbarn zittern vor einem weiteren Einbruch des Yen. Pessimisten fürchten einen Abwertungswettlauf, bangen um die konjunkturelle Erholung im Fernen Osten und sehen die Börsenkurse wackeln. Eine Reihe von Experten sieht bei den Nachbarwährungen jedoch trotz des schwachen Yen Aufwertungspotenzial.

HB HONGKONG. Die Entwicklung der asiatischen Devisenmärkte ist wichtig für internationale Anleger. Ein dramatischer Yen-Verfall kann auf die Börsen der Region durchschlagen; wegen der Auswirkungen auf die Realwirtschaft in Ländern wie Südkorea oder Taiwan und weil Auslandsanleger ihr Kapital abziehen könnten. Seit der Yen im September in den Sinkflug überging, haben die Börsen in Nordostasien dem Wertverlust jedoch die kalte Schulter gezeigt und um rund 45% zugelegt.

Für eine Entwarnung ist es jedoch zu früh. "Die Anleger müssen in Asien aufpassen, dass ihre Kursgewinne nicht von Währungsverlusten aufgefressen werden", sagt Enzio von Pfeil, Direktor des Hongkonger Research-Hauses Commercial Economics. Bis zum Jahresende könne der Yen um weitere 30 % fallen und Koreas Won und den Taiwan- und den Singapur-Dollar mit nach unten ziehen. Die Korrelation zwischen den vier Währungen ist hoch, weil die Exportnationen mit ähnlichen Produkten um Anteile am Weltmarkt rangeln.

"De facto verfolgt Japan eine Politik des schwachen Yen"" meint Stephen Jen von Morgan Stanley, "und das ist schlecht für die Region." Tokio strebe eine Handelsspanne von 135 bis 150 Yen zum Dollar an. Die Währung könne aber deutlich tiefer fallen, sollten sich die Probleme im japanischen Finanzsystem verschärfen. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, bleibe Japans Nachbarn dann nur der Weg der Abwertung.

Seit September hat der Yen gegenüber dem US-Dollar über 13% verloren. Tokios Unwillen, dem rapiden Abwärtstrend eine Grenze zu ziehen, schwächt Japans ohnehin schwindende politische Rolle in Asien. China, Südkorea und Malaysia haben bereits laut protestiert. Nicht einmal der jüngste Warnschuss des US-Finanzministers konnte den Yen-Verfall stoppen. Paul O?Neill hatte gewarnt, eine Abwertung sei keine Lösung.

Für die kommenden Monate rechnen einer Reuters-Umfrage zufolge die meisten Analysten damit, dass der Druck auf die ostasiatische Währungen anhält. Die Jahresprognose einiger namhafter Banken fällt dagegen rosiger aus. Institute wie Salomon Smith Barney, Barclays und die Deutsche Bank sehen einige asiatische Währungen sogar gegen den Yen steigen. Ihre optimistischen Vorhersagen für Won, Singapur- und Taiwan-Dollar gehen davon aus, dass ein Konjunkturaufschwung in den USA die negativen Auswirkungen der Yen-Schwäche ausgleicht. Anziehende Exporte, steigende Zinsen und ein Zustrom von Auslandskapital an die Börsen und in die Realwirtschaft würden ab dem zweiten Halbjahr die Währungen stützen.

"Im Laufe der kommenden Monate werden sich die meisten asiatischen Währungen vom Dollar-Yen-Verhältnis abkoppeln und gegen den Yen deutlich steigen", prophezeit Peter Redward, Währungsstratege der Deutschen Bank in Singapur. Barclays-Analyst Desmond Supple hingegen sieht den Singapur-Dollar längerfristig genauso unter Druck wie Thailands Baht, ab der Jahresmitte rechnet aber auch er mit einer Won-Aufwertung. Don Hanna, Chefvolkswirt von Salomon Smith Barney in Asien, hält angesichts schlechter Wirtschaftsdaten "eine weitere, scharfe Abwertung des Yen" für möglich, tut jedoch die Angst vor einem Abwertungswettlauf im gleichen Atemzug als "übertrieben" ab. Eine 10 %-ige Abwertung des Yen würde das Wachstum in den Nachbarländern nur um 0,1 bis 0,3% verlangsamen. "Dagegen lässt jedes Prozent Wachstum in den USA das BIP in Asien um 0,5 bis 0,6 % steigen", rechnet er vor. "Das reicht, um einen drastischen Yen-Verfall mehr als wettzumachen."

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