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30.01.2003

20:50 Uhr

AOL-Prognose belastet

Düstere Wolken über der Wall Street

Die schwache Prognose des weltgrößten Medienkonzerns AOL Time Warner hat die Stimmung der Anleger an den New Yorker Aktienmärkten am Donnerstag getrübt und die Kurse deutlich ins Minus gedrückt. Anhaltende Kriegsängste und Sorgen um die Konjunkturentwicklung in den USA belasteten das Geschäft zusätzlich, sagten Händler.

Reuters NEW YORK. Der Dow-Jones-Index verlor zum Handelsschluss rund zwei Prozent auf 7945 Punkte, der technologielastige Nasdaq-Index fiel um 2,7 Prozent auf 1322 Zähler, und der breiter gefasste S&P-500-Index gab 2,3 Prozent auf rund 845 Punkte nach.

"Die negativen Nachrichten sind für die Zurückhaltung der Anleger bei der (AOL)-Aktie verantwortlich. Das hat auch den breiten Markt belastet", sagte John Simon, Analyst für Stockindex-Futures bei TradeSignals.com. Bryan Piskorowski, Marktkommentator bei Prudential Securities, fügte hinzu: "Die Bilanzen sind uneinheitlich und die Konjunkturdaten auch. Addiert man dazu noch die weltpolitische Situation, weiß man, warum der Markt abwartet."

UNO-Waffeninspektor Hans Blix hatte am Donnerstag gesagt, er sehe keine Anzeichen dafür, dass Irak seit Vorlage des Berichts vor dem Sicherheitsrat besser mit den Inspektoren zusammenarbeiten würde. Das US-Präsidialamt hatte mitgeteilt, die letzte diplomatische Offensive der USA gegenüber Irak werde "Wochen und nicht Monate" dauern.

Die Titel von AOL Time Warner fielen um mehr als 14 Prozent auf zwölf Dollar und waren der umsatzstärkste Wert an der New York Stock Exchange. Der Konzern hatte am Vorabend mit rund 100 Milliarden Dollar den größten Jahresverlust der US-Unternehmensgeschichte ausgewiesen. Zudem hatte Konzern-Vize-Chairman und CNN-Gründer Ted Turner seinen Rückzug aus der Unternehmensführung angekündigt. Analysten werteten dies als Zeichen für anhaltende Schwierigkeiten bei dem Medienkonzern. Für das Jahr 2003 erwartet AOL Time Warner ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Dagegen dürfte das Ebitda im wesentlichen unverändert bleiben oder um niedrige einstellige Raten niedriger ausfallen, teilte AOL weiter mit.

Die Titel des drittgrößten US-Computerherstellers Gateway verloren rund 6,5 Prozent auf 2,73 Dollar. Das Unternehmen hatte für das vierte Quartal einen Verlust ausgewiesen und damit in acht von neun Quartalen rote Zahlen vorgelegt. Diese Nachrichten belasteten nach Händlerangaben auch die Aktien anderer Computerhersteller. Die Titel von Hewlett-Packard büßten rund 5,7 Prozent auf 18,20 Dollar ein, die Papiere von Dell Computer rutschten rund 4,5 Prozent auf 24,18 Dollar ab.

Die Aktien des US-Flugzeugherstellers Boeing schlossen mit plus 0,16 Prozent wenig verändert auf 30,66 Dollar. Der weltgrößte Flugzeugbauer hatte im Schlussquartal 2002 den Gewinn kräftig gesteigert, nachdem das Ergebnis im Vorjahreszeitraum von hohen Sonderbelastungen gedrückt worden war.

Auch schwache Konjunkturdaten hätten die Stimmung der Anleger gedrückt, sagten Händler. Die geringe Konsumbereitschaft der US-Verbraucher bremste das Wachstumstempo der weltgrößten Volkswirtschaft in den letzten drei Monaten 2002 deutlich. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg nach einer ersten Schätzung des Handelsministeriums im vierten Quartal 2002 um annualisiert 0,7 Prozent nach 4,0 Prozent im dritten Quartal.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,5 Milliarden Aktien den Besitzer. 1080 Werte legten zu, 2192 gaben nach und 173 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,4 Milliarden Aktien 1051 im Plus, 2229 im Minus und drei unverändert.

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