Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.02.2001

14:22 Uhr

Arafat und Mubarak abwartend

Westen ermahnt Scharon zum Frieden

Nach der Wahl von Ariel Scharon zum neuen Ministerpräsidenten Israels haben am Mittwoch zahlreiche Regierungen die Hoffnung auf eine Fortsetzung des Nahost-Friedensprozesses geäußert. Die internationalen Medien beurteilten Scharon überwiegend skeptisch. Scharfe Töne kamen aus den arabischen Ländern, die keinen Frieden mit Israel geschlossen haben.

dpa HAMBURG. US-Präsident George W. Bush gratulierte Scharon und bot ihm eine Zusammenarbeit "besonders für Frieden und Stabilität in der Region" an. In einem Telefonat habe Bush die israelisch- amerikanischen Beziehungen und die Unterstützung von Israels Sicherheit durch die USA als "felsenfest" bezeichnet, teilte das Weiße Haus am Dienstagabend mit.

Palästinenserpräsident Jassir Arafat äußerte unmittelbar nach der Wahl die Hoffnung auf eine Fortsetzung des Friedensprozesses. Die Palästinenser respektierten die Entscheidung der israelischen Wähler, sagte Arafat vor Journalisten. Arafats Berater Nabil Abu Rudeineh sagte am Mittwoch: "Wir warten auf den nächsten Schritt der israelischen Regierung." Er betonte, die Palästinenser fühlten sich einer Wiederaufnahme der Friedensgespräche "vollkommen verpflichtet".

Während scharfe Rethorik die arabischen Medien beherrschte, appellierte der ägyptische Staatschef Husni Mubarak an die Araber, keine vorschnellen Urteile zu fällen. Das israelische Volk habe eine Entscheidung getroffen, und Ägypten respektiere diese. Jordanien, das wie Ägypten mit Israel Frieden geschlossen hat, reagierte ebenfalls abwartend. Die Regierung in Amman werde Scharon an seinen künftigen Handlungen messen und so lange mit einem Urteil warten, sagte Informationsminister Taleb Rifai.

"Kriegserklärung an die Araber"

Syriens staatliche Medien sprachen von einer "Kriegserklärung an die Araber". Israel habe sich für "Eskalation, Terrorismus und Aggression" entschieden und den "letzten dünnen Friedensfaden durchschnitten".

Die EU und Russland bekundeten, sie würden Scharon bei einer Fortsetzung der Friedensverhandlungen unterstützen. "Es ist die Hoffnung der EU, dass Ariel Scharon den Friedensprozess am Leben erhalten und den Dialog entsprechend den Wünschen aller Betroffenen fortsetzen wird", sagte der amtierende EU-Ratspräsident und schwedische Ministerpräsident Göran Persson.

"Ich hoffe, dass er (Scharon) bereit ist, mit uns und der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, um den Friedensprozess voranzubringen", sagte der britische Außenminister Robin Cook. Der französische Präsident Jacques Chirac forderte Scharon indirekt zur Arbeit für den Frieden auf. Er bezweifle nicht, dass die von Scharon zu bildende Regierung alles für die Erreichung des "unumgänglichen Zieles" - den Frieden im Nahen Osten - tun werde, schrieb Chirac an den Wahlsieger.

Russland hofft darauf, dass die neue israelische Führung "die Blockade im Friedensprozess durchbrechen" werde. "In diesem Kontext ist die russische Führung bereit, mit der neuen israelischen Regierung zusammenzuarbeiten", erklärte das Außenministerium in Moskau. Außerdem hoffe man auf einen Ausbau der bilateralen Beziehungen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×