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08.03.2006

11:21 Uhr

Arbeiten im Ausland

Kanada lockt deutsche Fachkräfte

VonGerd Braune

Rudolf Roeder fand sein Glück in Kanada. Der 30-jährige Zimmermann arbeitet seit Juni 2004 in Spruce Grove vor den Toren Edmontons, der Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta. „Ich sah keine Perspektive in Deutschland und wollte mir was aufbauen. Also bin ich gegangen, ehe ich in Deutschland versauere“, sagt er.

OTTAWA. Trotz abgeschlossener Zimmermannslehre und Ausbildung zum Holzbauingenieur an einer Berufsakademie war der Hesse mehr als ein Jahr arbeitslos. Schließlich bewarb er sich im Frühjahr 2004 auf einer Informationsveranstaltung der deutschen Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) um eine Stelle beim Bauunternehmen Winalta in Spruce Grove. Einige Wochen später zog er in die Boomprovinz Alberta.

Roeder ist kein Einzelfall. Kanadische Unternehmen sehen sich zunehmend auf dem deutschen Arbeitsmarkt um. Auf „Job-Messen“ werben sie in diesem Monat in Essen, Leipzig und München um die gefragten Fachkräfte. Klaus Münstermann von der ZAV in Bonn rechnet aufgrund früherer Erfahrungen mit mindestens 1 000 Arbeitssuchenden. Eine Erfolgsquote von 40 Prozent werde mit Sicherheit erreicht. Immerhin bieten die Kanadier rund 750 Stellen an. Die Arbeitgeber fordern von den deutschen Bewerbern eine abgeschlossene handwerkliche oder technische Berufsausbildung, mindestens ein Jahr Berufserfahrung und ausreichende Englischkenntnisse. Gesucht werden unter anderem Lkw- und Landmaschinenmechaniker, Schweißer, Tischler, Zimmerleute, Dachdecker, Schlosser, Rohrleitungsbauer, Betonbauer oder Energietechniker.

Kanada hat zur Zeit eine Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent, die niedrigste seit fast drei Jahrzehnten. Zwar sind damit weiterhin rund 1,1 Millionen Menschen als arbeitsuchend registriert, aber es gibt beträchtliche Unterschiede nach Regionen und Branchen. So hat die ölreiche Provinz Alberta mit ihrer boomenden Wirtschaft nur eine Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent. Es ist vor allem die expanierende Industrie in den Ölsandfeldern Nord-Albertas, die die Wirtschaft antreibt und Arbeitskräftebedarf nicht nur in der Ölindustrie schafft.

Der Arbeitskräftebedarf in Alberta hat auf die anderen Provinzen eine Sogwirkung, zieht von dort Arbeitskräfte an. Eine jüngst veröffentlichte Studie der Regierung Albertas geht davon aus, dass bis 2015 etwa 400 000 neue Arbeitsstellen geschaffen werden, zugleich aber nur 300 000 Kräfte in der Provinz heranwachsen. „Die Unternehmen suchen Fachkräfte nicht nur in Alberta, sondern in ganz Kanada und im Ausland. Arbeitskräfte aus Deutschland sind gefragt, weil sie so gut ausgebildet sind“, sagt Reginald Kontz, der sich im kanadischen Konsulat in München mit Alberta und seiner Wirtschaft befasst.

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