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07.01.2002

16:12 Uhr

Arbeitgeber sehen Fachkräftemangel als Ursache

DGB: Überstunden steigen auf 1,9 Mrd.

Die Zahl der Überstunden ist im vergangenen Jahr nach Schätzungen von Experten erneut gestiegen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund rechnet mit fast 1,9 Milliarden Überstunden nach 1,85 Milliarden im Jahr 2000, wie Tarifexperte Reinhard Dombre am Montag im AP-Gespräch sagte.

ap FRANKFURT/MAIN. Robert Reichling vom Arbeitgeberverband führte die Zahl, die auf Schätzungen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung basiere, vor allem auf den hohen Fachkräftemangel zurück. Insgesamt bewege sich der Anstieg im wirtschaftstypischen Rahmen der letzten Jahre, betonte der Leiter der Tarifabteilung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

Überstunden könnten jedoch nur vermieden werden, wenn die Arbeitszeitgestaltung noch stärker flexibilisiert werde. Dazu zählten etwa Langzeitarbeitskonten sowie eine Deregulierung des Teilzeitmarktes, um mehr befristete Einstellungen zu ermöglichen. Gesetzliche Regelungen könnten das Problem dagegen nicht in den Griff bekommen.

Der DGB-Experte Dombre erklärte dagegen, dass der Rahmen der möglichen Flexibilisierungen ausgeschöpft sei. So seien die existierenden Arbeitszeitkonten bereits randvoll. Wenn die Unternehmen einen Fachkräftemangel beklagten, müssten sie eben mehr Berufsanfänger ausbilden, forderte der Tarifexperte. Des weiteren müsse die Weiterbildung von Arbeitnehmern in den Betrieben als Daueraufgabe verstanden werden. Und schließlich müsse bei Neueinstellungen von dem weit verbreiteten "Jugendwahn" Abschied genommen werden. Gerade unter älteren Arbeitnehmern liege sehr viel Fachwissen brach, betonte Dombre.

Der DGB-Experte mahnte ein Einschreiten des Gesetzgebers an. Dies bedeute nicht, völlig neue Regelwerke zu schaffen, wohl aber die bereits vorhandenen zu verbessern. Reichling hielt dem entgegen, dass die Gewerkschaften mit dieser Forderung von den Vereinbarungen im Bündnis für Arbeit abwichen, die auf ausschließlich freiwillige Maßnahmen abzielten.

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der PDS, Heidi Knake-Werner, erklärte den freiwilligen Abbau von Überstunden über flexiblere Arbeitszeitmodelle indessen für gescheitert. Deshalb sei es jetzt Aufgabe des Gesetzgebers, einen beschäftigungswirksamen Überstundenabbau zu unterstützen. In Berlin schlug Knake-Werner vor, eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 40 Stunden festzulegen, die auf 50 ausweitet werden könne, solange binnen vier Monaten immer noch ein Wochendurchschnitt von 40 Stunden gewährleistet sei.

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