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02.05.2003

12:50 Uhr

Arbeitgeber stellen sich auf harten Arbeitskampf ein

Verdi droht mit Streiks im Einzelhandel ab Mitte Mai

Im deutschen Einzelhandel droht die Gewerkschaft Verdi bereits für Mitte Mai mit ersten Streiks. "Ich fürchte, dass wir um einen Arbeitskampf in diesem Jahr nicht herumkommen", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Franziska Wiethold am Freitag der dpa.

HB/dpa BERLIN. Die Gewerkschafterin warf den Arbeitgebern vor, mit ihrem Drängen nach längeren Ladenöffnungszeiten die laufenden Tarifverhandlungen unter Zeitdruck gesetzt zu haben. Die Gesetzesänderung, wonach Geschäfte künftig auch am Samstag bis 20.00 Uhr geöffnet sein dürfen, tritt am 1. Juni in Kraft.

Die Tarifverhandlungen für die insgesamt 2,5 Mill. Beschäftigten im deutschen Einzelhandel laufen erst seit wenigen Tagen. Es wird nicht bundesweit, sondern für einzelne Regionen verhandelt. Verdi fordert zwischen 3,5 und 4,5 % mehr Lohn und Gehalt. Wegen der längeren Ladenöffnungszeiten an Samstagen hat die Gewerkschaft zudem Teile des Manteltarifvertrags gekündigt. Auf diese Weise will sie für die Arbeit in späten Stunden höhere Zulagen durchsetzen. Die Arbeitgeber haben noch kein Angebot vorgelegt.

Wiethold verwies darauf, dass im Einzelhandel vor einem Streik keine Urabstimmung erforderlich sei. Dazu gebe es einen Beschluss des Verdi-Bundesvorstands. Indirekt drohte Wiethold auch damit, dass trotz der gesetzlichen Neuregelung viele Geschäfte weiterhin am Samstag um 16.00 Uhr schließen müssten. "Wenn es bis zum 1. Juni keinen Tarifvertrag gibt, wird es Auseinandersetzungen geben, ob geöffnet werden darf", sagte die Gewerkschafterin, die im Verdi - Bundesvorstand für den Handel zuständig ist.

Auch die Arbeitgeber stellen sich auf einen harten Arbeitskampf ein. Der Tarifexperte des Handelsverbandes BAG, Friedrich Wilhelm Schlich, sagte der Tageszeitung "Die Welt": "Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass das ohne Streiks abgeht."

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) warf der Gewerkschaft vor, die Protestaktionen unabhängig vom Stand der Verhandlungen bereits seit längerer Zeit für Mitte Mai geplant zu haben. "Mit diesen Aktionen will Verdi Aufmerksamkeit erregen und versuchen, den Mitgliederschwund zu stoppen", sagte HDE - Tarifkoordinator Heribert Jöris.

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