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02.06.2000

19:12 Uhr

Reuters WASHINGTON. Schwächer als erwartet ausgefallene US-Wirtschaftsdaten haben am Freitag die Anzeichen einer sich langsam abkühlenden Konjunktur in den USA verstärkt.



Der Arbeitsmarkt in den USA hatte sich im Mai in schwächerer Verfasssung gezeigt. Die Zahl der neugeschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft stieg nur noch um 231 000 nach revidiert 414 000 Stellen im April. Die Arbeitslosenquote lag nach Angaben des Arbeitsministeriums in Washington bei 4,1 Prozent nach 3,9 Prozent im April.



Die US-Industrieaufträge sanken im April um 4,3 Prozent. An den Rentenmärkten in den USA und in Europa schnellten die Kurse zunächst hoch, der Euro gewann gegen den Dollar zwischenzeitlich mehr als einen Cent.



Die im Hinblick auf die Inflationsentwicklung bedeutsamen US-Stundenlöne stiegen im Mai um 0,1 Prozent auf 13,65 Dollar. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Stellenzuwachs von 386 000 gerechnet. Die Arbeitslosenquote war unverändert bei 3,9 Prozent erwartet worden.



Die US-Industrie erhielt nach Angaben des US-handelsministeriums im April 4,3 Prozent weniger Aufträge, als im Vormonat. Im März war noch ein Anstieg um 2,7 Prozent verzeichnet worden. Von Reuters befragte Volkswirte hatten lediglich mit einem Rückgang um 1,9 Prozent gerechnet.



Volkswirte in den USA interpretierten vor allem die bereits im Vorfeld viel beachteten die Arbeitsmarkdaten in ersten Reaktionen als Zeichen einer sich abkühlenden Konjunktur. Hinsichtlich der weiteren Geldpolitik der US-Notenbank rechnen die Experten nun kaum noch damit, dass die Fed im Rahmen auf nächsten Sitzung die Leitzinsen um einen weiteren Schritt erhöht. "Ich denke die US-Notenbanker werden die Leitzinsen (auf ihrer nächsten Sitzung im Juni) nicht verändern", sagte Gary Thaler, Chefvolkswirt bei Edward & Sons mit Blick auf die Zahlen.



"Vor einer Woche hatten wir uns bereits die Frage gestellt, ob der Wirtschaftsboom in den USA vorüber ist", sagte Carol Stone von Nomura Securities. "Unserer Ansicht nach war bereits der Rückgang bei den Auftragseingängen für langlebige Güter und bei den Wohnungsverkäufen ausreichend, damit die Fed Ende des Monats pausiert und die Zinsen nicht erhöht. Jetzt rechnen wir definitiv nicht mit einer Erhöhung im Juni." Es bleibe allerdings offen, ob der Rückgang bei den Stellenzuwächsen eine einmalige Sache sei und im Juni wieder ein Anstieg erfolgen werde.



An den Märkten war den Arbeitsmarktzahlen vorab eine Zentralfunktion bei der Beurteilung der Frage zugeschrieben worden, ob sich die Konjunktur in den USA tatsächlich abzukühlen beginne. Die zuletzt veröffentlichten Daten hätten zwar für eine langsam beginnenden Abkühlung gesprochen, doch komme den Arbeitsmarktdaten das bei weitem größte Gewicht zu, hatte es geheißen. Zuletzt hatte am Donnerstag der Index der US-Einkaufsmanager (Mai) mit einem Rückgang auf 53,2 von 54,9 Punkten im Vormonat bereits eine Konjunkturabkühlung signalisiert.



An den internationalen Finanzmärkten kam es in Reaktion auf die Daten zu deutlichen Kursbewegungen. Der Dollar geriet nach der Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten umgehend unter Druck. Der Euro verbesserte sich zwischenzeitlich um mehr als einen ganzen Cent und testete die Marke von 0,95 Dollar. Die Gemeinschaftswährung konnte sich allerdings im weiteren Handelsverlauf nicht über der psychologische wichtigen Marke behaupten. Der Euro rutschet wieder bis auf Kurse um 0,9430 Dollar ab. Damit lag er aber immer deutlich über seinem New Yorker Eröffnungskurs von 0,9352/59 Dollar.



Auch bei den US-Treasuries gingen die im Gefolge der Arbeitsmarktdaten zunächst deutlichen Kursgewinne im Handelsverlauf wieder zurück. Der richtungweisende 30-jährige Bond gewann zunächst um mehr als einen vollen Punkt bis auf rund 105-15/32. Seine Rendite fiel auf 5,858 Prozent. Am späten Nachmittag waren die Zugewinne auf 13/32 geschrumpft. Der Euro-Rentenmarkt vollzog die Entwicklung der US-Staatsanleihen mit. Der Euro-Bund-Future, der nach den Arbeitsmarktdaten ins Plus gedreht und ein Tageshoch bei 106,78 Punkten markiert hatte, notierte eine knappe Stunde vor Handelsschluss mit nur noch acht Ticks im Plus bei 106,25 Punkten.

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