Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.07.2000

14:27 Uhr

Arbeitslosigkeit soll 2001 auf 8,8 % sinken

Ifo sieht "spannungsfreien Aufschwung" in Deutschland

Das Wirtschaftsforschungsinstitut ifo erwartet in den kommenden Jahren einen "spannungsfreien Aufschwung" mit klar sinkenden Arbeitslosenzahlen in Deutschland.

afp DRESDEN/NÜRNBERG. Das Wirtschaftsforschungsinstitut ifo erwartet in den kommenden Jahren einen "spannungsfreien Aufschwung" mit klar sinkenden Arbeitslosenzahlen in Deutschland. Die rein konjunkturell bedingte Arbeitslosigkeit werde bald abgebaut sein, erklärten die Forscher in ihrer am Donnerstag in Dresden vorgelegten Prognose für die Jahre 2000 und 2001.

Die Wirtschaftspolitik solle sich nun vor allem bemühen, die strukturelle Arbeitslosigkeit zu senken. Nachdem die Steuerreform bereits einen "wichtigen Schritt zur Verbesserung der Wachstums- und Beschäftigungsbedingungen" darstelle, sollten Reformen bei Rentenversicherung und Sozialhilfe folgen und der Arbeitsmarkt flexibler gestaltet werden, fordern die Experten des Münchner Institutes.

Der seit vergangenem Herbst dauernde Anstieg der Beschäftigung werde bis Ende 2001 anhalten, sagen die ifo-Forscher voraus. Die Arbeitslosenrate werde von 10,2 % im Jahresdurchschnitt 1999 über 9,7 Prozent% auf 8,8 % im Jahr 2001 sinken. Die Zahl der Arbeitslosen werde zum Jahresende 3,7 Mill. Menschen betragen und zum Ende des kommenden Jahres dann noch 3,35 Mill., 1,7 Mill. weniger zum Höhepunkt der Arbeitslosigkeit Ende 1997.

Im Jahr 2000 wird die Beschäftigung in Deutschland demnach um knapp 300 000 Menschen steigen, im Jahr 2001 um weitere 260 000. "Dabei wird es wahrscheinlich zunehmend schwieriger, geeignete Fachkräfte zu finden." Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, sagte in Nürnberg, abgesehen von der Informationstechnologiebranche gelte dies bereits für Hotel- und Gaststättengewerbe und für die Metallindustrie.

In der ifo-Prognose wird ein Wachstum des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,7 % im laufenden Jahr und 2,8 % im Jahr 2001 zugrunde gelegt. Die Inflationsrate klettert demnach auf 1,7 % und geht 2001 wieder auf 1,5 % zurück. In der Euro-Zone aus derzeit elf Staaten werden die Verbraucherpreise demnach 2000 um "reichlich zwei Prozent" steigen und damit um die von der Europäischen Zentralbank (EZB) als Höchstwert angenommene Inflationsrate. Energieträger und unverarbeitete Lebensmittel nicht eingerechnet, stiegen die Preise in der Euro-Zone im laufenden Jahr nur um 1,25 % betonten die ifo-Forscher offenbar.

2001 werde die Euro-Inflation "bei etwas niedrigeren Rohölpreisen" dann um 1,9 Prozent steigen, heißt es in der Progrose des Institutes weiter. Damit werde das Inflationsziel der EZB erreicht. Für den Zeitraum bis zum Ende des Jahres 2001 erwarten die ifo-Experten demnach, dass die Euro-Hüter der EZB die Leitzinsen von derzeit 4,25 Prozent "etwas" um einen weiteren halben Prozentpunkt anheben und auch die langfristigen Zinsen um diesen Satz steigen werden. Der Wechselkurs des Euro werde sich ebenfalls "etwas" festigen; die monetären Rahmenbedingungen seien "nach wie vor relativ günstig."

Die am Montag beginnende Auktion von Multimedia-Mobilfunkfrequenzen (UMTS) wird der ifo-Schätzung zufolge 45 Mrd. Mark in die Staatskasse spülen; damit dürften die öffentlichen Haushalte das Jahr 2000 mit einem leichten Plus abschließen. Ohne die Versteigerung gäbe es demnach ein Defizit von einem Prozent des BIP, im Jahr 2001 dann ein Defizit von 1,6 % des BIP wegen der durch die Steuerreform verringerten Einnahmen.

Das Hamburger Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) sagte für 2000 drei Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland voraus, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ging von 2,7 % aus nach 1,5 5 im vergangenen Jahr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×