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13.01.2002

14:59 Uhr

Arbeitsmarktforscher raten von flächendeckender Einführung ab

Institut: Nur geringe Beschäftigungs-Effekte von Kombilohn-Modellen

Flächendeckende Kombilohn-Modelle, wie sie die rot-grüne Bundesregierung zum Abbau der hohen Arbeitslosigkeit plant, haben nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern nur einen geringen Beschäftigungseffekt.

dpa NÜRNBERG. Auch die bereits praktizierten, regional begrenzten Modelle hätten nicht den "empirischen Beleg" dafür erbracht, das damit ein "nennenswerter Beitrag zum Aufbau von Beschäftigung" geleistet werden kann, geht aus einer jüngeren Untersuchung des zur Bundesanstalt für Arbeit gehörenden Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Bundesweite Hochrechnungen auf Basis der regional erprobten Modelle ließen nur eine "geringe Inanspruchnahme" erwarten, heißt es in der Studie. Zudem würde die Bilanz solcher Modelle aller Voraussicht nach durch so genannte Mitnahme-Effekte getrübt: Es sei nicht auszuschließen, dass Beschäftigte und Arbeitgeber für ohnehin angebotene Jobs die Kombilohn-Förderung in Anspruch nehmen. Ebenso müsse damit gerechnet werden, dass geförderte Jobs ungeförderte Jobs verdrängten, warnen die Wissenschaftler.

Frauen nutzen Kombilohn-Modelle mehrheitlich

Die Arbeitsmarktforscher unter dem Dach der Nürnberger Bundesanstalt raten deshalb in der im Dezember 2001 erschienenen Studie von einer flächendeckenden Einführung von Kombilohn-Modellen ab. Sinnvoll sei vielmehr eine weitere lokal begrenzte Erprobung zeitlich befristeter Modellversuche. Dies gelte in besonderem Maße für Ostdeutschland, da mit Ausnahme von zwei Modellen der Kombilohn bislang ausschließlich in westdeutschen Regionen erprobt worden sei. Die IAB-Wissenschaftler hatten die derzeit bestehenden elf Modelle miteinander verglichen.

Nach der Untersuchung werden die derzeit erprobten Kombilohn- Modelle in der Mehrheit von Frauen genutzt. Beim so genannten Mainzer Modell liege dieser Anteil sogar bei zwei Dritteln. Viele Geförderte hätten keine abgeschlossene Berufsausbildung, ein bedeutender Teil sei schon seit mehr als einem Jahr arbeitslos. Bevorzugt habe das Reinigungsgewerbe die Möglichkeiten der Kombilohn-Förderung aufgegriffen. Zwei Drittel der Kobilohn-Bezieher waren im Fall des Mainzer Modells Teilzeitbeschäftigte. Beim Mainzer Kombilohn-Modell erhalten Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger Zuschüsse zu den Sozialbeiträgen, wenn sie einen schlecht bezahlten Job annehmen.

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