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31.07.2000

15:51 Uhr

dpa HAMBURG. Der Sparzwang wird die ARD auch in Zukunft begleiten. Nach der Reformierung des Finanzausgleichs und der Fusion des Südwestfunks und Süddeutschen Rundfunks zum Südwestrundfunk (SWR) seien nun die Landesrundfunkanstalten aufgerufen, künftig noch wirtschaftlicher zu produzieren. Das sagte der ARD-Vorsitzende Peter Voß (59) in einem dpa-Gespräch. "Die Kosten werden jedes Jahr um fünf Prozent steigen", sagte Voß. "Dieser Druck zwingt die Anstalten zur Reorganisation. So muss regelmäßig geprüft werden, ob Produktionen im Hause gemacht oder in Auftrag gegeben werden."

Voß, auch Intendant des neu geschaffenen SWR, begrüßte weitere Fusionen innerhalb der ARD, "wenn sie denn politisch gewollt sind". Er sprach sich aber gegen eine in der vergangenen Zeit diskutierte Steuer aus, die statt der Rundfunkgebühr erhoben werden könnte. "Dies entspräche nicht dem Prinzip der Staatsferne", sagte er. "Der Vorsitzende hält auch eine Abgabe für "problematisch". Jeder Haushalt sollte auch nach Ende der nächsten Gebührenperiode im Jahre 2004 weiter seine Gebühren entrichten. Bei Firmen und Behörden müsse jedoch darüber nachgedacht werden, ob eine "Pauschale" zu erheben sei, wenn dort auch das TV-Programm über PCs empfangen werden könne.

Über eine Stärkung des profitablen und risikoreichen Rechtehandels wird nachgedacht

Voß, der zum Jahreswechsel als ARD-Vorsitzender von WDR-Intendant Fritz Pleitgen abgelöst wird, unterstützte den Vorstoß des MDR- Intendanten Udo Reiter, der gegenwärtig prüft, ob die ARD in größerem Stil in den Filmhandel einsteigen soll. "Kurzfristig sollten wir aber den pragmatischen Weg wählen und über unsere bestehenden Töchter den Filmhandel abwickeln", sagte Voß, dessen SWR an den ARD-Töchtern Degeto und Telepool beteiligt ist. "Mittelfristig bietet sich aber eine Gesamtlösung an". Die ARD könnte so auf dem Markt in der Konkurrenz gegen die Privaten bestehen, müsse aber auch das Risiko kalkulieren, das beim Ein- und Weiterverkauf von Rechten bestehe.

Online-Aufritt ist laut Voß unterfinanziert

Der Online-Auftritt der ARD ist nach Darstellung des Vorsitzenden nicht aus dem Gebührenaufkommen zu diesem Zweck zu finanzieren. Die bewilligten 88 Mill. DM für die kommenden vier Jahre seien knapp bemessen und deckten nur 60 % des Bedarfs. Da der neue Rundfunkstaatsvertrag den Öffentlich-Rechtlichen Online-Werbung untersage, sei noch Überzeugungsarbeit in der Politik zu leisten. "Wie will man konkurrenzfähig auf diesem Sektor bleiben, wenn man auf unseren Seiten die Musik zwar hören kann, aber anders als bei anderen Anbietern die CD nicht online bestellen kann? Wir verlieren an Attraktivität und haben Wettbewerbsnachteile."

Der ARD-Vorsitzende kündigte an, jüngere Zuschauergruppen an das Gemeinschaftsprogramm zu binden. Der Weg führe über die Interaktivität und in die Schulen. Das stark von Information geprägte ARD-Programm sei auch für den Nachwuchs attraktiv. Allerdings dürfe man auch an Trends nicht vorbeigehen. Dem Erfolg der Quizshows, früher eine Stärke der Öffentlich-Rechtlichen, müsse auch bei der ARD Rechnung gertragen werden. Serien wie "Big Brother" entsprächen jedoch nicht dem Programmverständnis des öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die Privatsender drehten hiermit "Die Geschmacksspirale weiter nach unten".

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