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11.02.2002

07:15 Uhr

Armee dringt in autonome Stadt Nablus ein

Mehr als 30 Verletzte bei israelischer Angriffserie

Mit einer Serie von Bombenangriffen hat die israelische Armee auf einen palästinensischen Anschlag in Südisrael mit zwei Toten reagiert.

afp GAZA/BEERSCHEBA. Bei Flugzeugangriffen auf das Hauptquartier von Palästinenserpräsident Jassir Arafat in Gaza wurden am Sonntag mindestens 22 Menschen verletzt, bei Hubschrauberangriffen im Norden des Gazastreifens mindestens weitere 15. Am frühen Montagmorgen drang die Armee mit gepanzerten Fahrzeugen in die autonome Stadt Nablus im Westjordanland ein. Der UN-Sondergesandte für den Nahen Osten, Terje Roed-Larsen, verurteilte die Angriffe auf Gaza, bei denen auch zwei UN-Mitarbeiter verletzt wurden.

Roed-Larsen sei empört darüber, dass Israel Ziele in der Nähe von Wohnhäusern und Büros der Vereinten Nationen mit schweren Bomben angreife, hieß es in einer Erklärung der Vereinten Nationen. Bei den Angriffen von F-16-Kampfflugzeugen seien die Büros der UNESCO in Gaza sowie das Büro von Roed-Larsen erheblich beschädigt worden. Zahlreiche Fensterscheiben zerbrachen. Während der Angriffe hätten sich zahlreiche UN-Mitarbeiter in dem Haus aufgehalten. Komplett zerstört wurde das Gebäude der Marinepolizei. Die Kommandozentrale der Leibgarde Arafats, der Force 17, wurde schwer beschädigt. Bei Raketenangriffen auf Ziele im Norden des Gazastreifens wurden nach palästinensischen Angaben mindestens 15 Zivilisten verletzt. Israelischen Angaben zufolge wurden in den bombardierten Werkstätten in Dschabalija und Beit Lahia Waffen hergestellt.

Nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte rückten am frühen Morgen rund 20 gepanzerte Fahrzeuge etwa einen Kilometer auf das Gebiet der autonomen Stadt Nablus vor. Bewaffnete Palästinenser und israelische Soldaten lieferten sich zudem schwere Gefechte in der Nähe des Josefs-Grabes, das von den Juden als heilig verehrt wird. Zuvor waren Panzer und Bulldozer bereits im Norden des Gazastreifens vorgedrungen.

In Beerscheba im Süden Israels hatten zwei palästinensische Angreifer das Feuer auf ein Restaurant nahe dem Hauptquartier des Südkommandos der Armee eröffnet und dabei zwei Soldatinnen getötet und fünf weitere Menschen verletzt. Die beiden Attentäter wurden von Sicherheitskräften erschossen. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand.

Der israelische Regierungschef Ariel Scharon machte Arafat persönlich für den Anschlag verantwortlich. Arafat trage die Schuld für den anhaltenden "Terror" gegen Israel und zwinge seine Regierung, "Entscheidungen" zu treffen, sagte Scharon im israelischen Fernsehen. Am Abend trafen sich Scharon, Außenminister Schimon Peres, Verteidigungsminister Benjamin ben Elieser sowie Vertreter von Polizei und Armee zu Beratungen. Über Inhalte wurde nichts bekannt. Scharon war zuvor von einer USA-Reise zurückgekehrt, wo er um Unterstützung für seinen harten Kurs gegen die Palästinenser und eine Isolierung Arafats geworben hatte.

Arafats Berater Nabil Abu Rudeina verurteilte den Angriff auf Gaza und warf Scharon vor, den Friedensprozess sabotieren zu wollen. "Wir rufen die USA auf, die israelische Aggression schnell zu stoppen", sagte er. Andernfalls werde eine "große Explosion der Gewalt" folgen.

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