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14.01.2003

08:37 Uhr

Asda will am Dienstag nachlegen

Bieterkrieg mischt britischen Handel auf

VonA. Hoffbauer (Handelsblatt) und A. Raghavan (Wall Street Journal)

Unter den großen britischen Supermärkten ist ein neuer Kampf um die Marktführung ausgebrochen. Nachdem der kleinere Rivale W. Morrison für Safeway ein Milliardenangebot abgegeben hat, wollen nun auch Sainsbury und die Wal-Mart-Tochter Asda die viertgrößte Kette übernehmen. Marktführer Tesco wartet noch ab.

LONDON. Der britische Einzelhandel steht vor einer grundlegenden Neuordnung. Die zweitgrößte Supermarktkette J. Sainsbury plc, bestätige am Montag, dass der Konzern die Fusionspläne der kleineren Wettbewerber William Morrison und Safeway plc durchkreuzen will. Der Konzern werde für Safeway rund 3,2 Mrd. £ (5 Mrd. Euro) bieten, sagte Sainsbury-Chef Peter Davis. Auch die Nummer drei der Branche, die zum US-Konzern Wal-Mart gehörende Asda-Gruppe, wird sich nach Informationen aus Unternehmenskreisen heute in den "Krieg der Supermärkte" einschalten. Demnach wird Wal-Mart Stores Inc. heute offiziell Interesse bekunden, aber noch kein offizielles Angebot abgeben. Den Informationen nach erwägt Wal-Mart eine Bar-Offerte jenseits den von Sainsbury gebotenen 3,2 Mrd. £.

Den Auftakt für die Schlacht um Safeway machte in der vergangenen Woche das kleine Familienunternehmen William Morrison Supermarkets aus Nordengland, als es sich mit Safeway auf einen Kaufpreis von rund 2,9 Mrd. £ einigte. Morrison ist bereit, Schulden von gut 1 Mrd. £ zu übernehmen, und Sainsbury zog in diesem Punkt nach. Allerdings beinhaltet die Morrison-Offerte im Gegensatz zum Sainsbury-Gebot keinen Bargeldanteil. Safeway-Anleger machten gestern keinen Hehl daraus, dass sie durch den Bieterkrieg auf einen möglichst hohen Preis hoffen. Der Safeway-Kurs stieg darauf fast auf den von Sainsbury gebotenen Wert von 300 Pence. Die Aktien von Sainsbury und Morrison sanken dagegen, die Anleger fürchten einen Gegenschlag von Asda oder Tesco.

Vor allem die Asda-Mutter Wal-Mart habe finanziell den längerem Atem als die anderen Mitbieter, sagte ein Analyst. Der Konzern hatte bereits im vergangenen Jahr gemeinsam mit Sainsbury ein Übernahmeangebot für Safeway geprüft. Dies war gescheitert, da sich beide Unternehmen nicht über die Aufteilung einigen konnten.

Sainsbury kündigte ein endgültiges Angebot an, sobald man Einblick in die Safeway-Daten bekomme. Ebenso wird erwartet, dass Wal-Mart heute nur sein Interesse bekunden und noch kein konkretes Angebote abgeben wird.

"Wir sind schon jetzt absolut sicher, dass wir jährlich mindestens 300 Mill. £ sparen können", sagte Sainsbury-Chef Sir Peter Davis. Er steht unter Druck, da er nach seinem Amtsantritt im März 2000 versprochen hatte, bis Oktober 2003 die Kosten um 600 Mill. £ zu senken. Davon ist er jedoch abgerückt. Allerdings konnte Davis dem Platzhirschen Tesco Marktanteile abluchsen, während Safeway weiter verlor.

Der Bieterkampf um Safeway wird in London als größte Veränderung im britischen Einzelhandel seit dem Markteintritt des US-Konzerns Wal-Mart im Jahr 1999 gesehen. Mit der Asda-Übernahme hatten die Amerikaner einen massiven Preiskrieg ausgelöst. Vor allem dieser Preiskrieg hat den kleinen Anbieter Morrison zum Handeln gezwungen. Um unter dem Preisdruck der Konkurrenz zu Überleben, muss das vor 104 Jahren in Yorkshire gegründete Unternehmen expandieren. Zudem erschweren gesetzliche Auflagen den Bau neuer Standorte.

Die Gewinnmargen des britischen Handels sind zudem um gut die Hälfte auf 5 bis 6 % geschrumpft, liegen damit aber noch immer deutlich über dem europäischen Schnitt von rund 2 %. Dennoch versuchen die Supermarkt-Ketten, deswegen ihre Einkaufsmacht zu stärken. Die Übernahme von Safeway dürfte die Gewinnspanne des Käufers um gut ein Prozent verbessern.

Künftig werden die vier großen britischen Supermärkte 75 % des Marktes abdecken. Marks & Spencer, Iceland, Somerfield und Waitrose teilen das restliche Viertel unter sich auf. Im Gegensatz zu Morrison können weder Asda noch Sainsbury Safeway ganz übernehmen. Sainsbury hofft auf eine kartellrechtliche Genehmigung für die Hälfte der 480 Safeway-Standorte.

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