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10.01.2003

06:00 Uhr

Assekuranz wirbt mit Kennzahlen, die keiner versteht

Werbung der Versicherer verwirrt Verbraucher

Versicherer werben mit Zinssätzen. Die Überschussbeteiligung wird besonders gerne verwendet, aber daneben spielt auch die so genannte Nettoverzinsung eine wichtige Rolle.

fw DÜSSELDORF. Sie gibt an, wie viel Ertrag der Lebensversicherer mit seinen Kapitalanlagen erwirtschaftet hat und ist damit im Prinzip ein guter Gradmesser für seinen Erfolg als Investor. Allerdings gehen in die Nettoverzinsung auch Erträge aus dem Verkauf von Aktien ein. Daher kann sie durch die Auflösung von stillen Reserven im Wertpapierbestand künstlich hochgehalten werden. In den vergangenen Jahren haben einige Gesellschaften dies getan. Später brach dann plötzlich ihre Nettoverzinsung ein, nachdem alle Reserven verbraucht waren. Zurzeit haben die Versicherer wegen der schwachen Börse allerdings fast keine Reserven mehr.

Wie hängen nun Nettoverzinsung und Überschussbeteiligung zusammen? Die Nettoverzinsung allein ist nur ein Teil des gesamten Ertrags, den der Lebensversicherer erwirtschaftet. Dazu kommen "Kalkulationsgewinne" und "Kostengewinne". Sie ergeben sich daraus, dass Lebensversicherer den Aufwand für Todesfälle und ihre eigenen Kosten bei der Vertragskalkulation in der Regel etwas höher ansetzen, als er später tatsächlich anfällt - die Differenz sind dann diese seltsamen Gewinnpositionen. Im Endeffekt bedeutet dies, dass der Kunde zunächst etwas zu viel von seinen Beiträgen abgezogen bekommt. Dadurch entsteht hinterher ein Mehrertrag. Alle diese Gewinne, einschließlich Nettoverzinsung, fließen in einen Topf. Daraus zweigt der Versicherer einen bestimmten Prozentsatz als Gewinn ab. Maximal dürfen es rund zehn Prozent sein, in der Regel ist es deutlich weniger. Allerdings haben viele Versicherer in den vergangenen Jahren diese Position immer weiter hoch geschraubt. Den Rest bekommen die Kunden, wobei die Mittel zum Teil noch in der "RfB" zwischengelagert werden. So entsteht ein großer Geldtopf.

Der Versicherer deklariert für die Verträge dann laufende Überschussbeteiligungen und Schlussgewinne. Er bedient sich dabei aus dem großen Geldtopf. Deswegen hängen Nettoverzinsung und die deklarierten Sätze zusammen - aber über eine ganze Reihe von Zwischenstufen. Und letztlich sagen beide wenig über die Zukunft aus.

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