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31.01.2001

16:41 Uhr

ali/cü/rez/HB DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. Dem Gesetzeswerk für die Rentenreform und die neue Förderung der privaten Altersvorsorge fehlt zwar noch der Segen der Ländervertreter im Bundesrat; aber Analysten rechnen bereits aus, welche Aktien von dem umstrittenen Reformwerk profitieren werden. Bankanalysten etwa aus dem Hause Goldman Sachs sehen Versicherer und weniger Banken als Hauptgewinner. Denn die neuen steuerlich geförderten Vorsorgeprodukte müssen einen Katalog an Mindestanforderungen erfüllen. Kernpunkte: Die Sparprodukte müssen lebenslang zumindest gleich bleibende Leistungen garantieren und dem Anleger zusagen, dass er bei Auszahlungsbeginn zumindest die eingezahlten Beiträge zurück bekommt. Das könnten am besten Versicherungsgesellschaften, weil sie Erfahrungen mit der Berechung mit dem Langlebigkeitsrisiko und bei der Geldanlage hätten, meint das Versicherungsteam der WestLB-Panmure. Ähnlich argumentiert Goldman Sachs.

Differenzen gibt es aber in Frage, wie viel Kursphantasie die Stärkung der privaten Altersvorsorge bei Versicherungstiteln noch weckt. "Da steckt noch Potenzial drin", meint Richard Burdon von Goldman Sachs. Dagegen hält Viktor Heese, Versicherungsexperte der WGZ Bank, den Einfluss des Geschäfts mit der zusätzlichen, staatlich geförderten Altersvorsorge für begrenzt. "Bei der Allianz rechne ich für 2002 mit einem Zuwachs beim Bruttoergebnis von rund 180 Mill. DM dank der Riesterpläne und der stärkeren Nachfrage nach Lebensversicherungen. Dagegen dürfte aber allein eine Verbesserung der Schaden-/Kostenquote (Schadenzahlungen plus Betriebskosten dividiert durch Prämieneinnahmen) von nur 1,5 Prozentpunkten, sowie die Aufstockung der Aktienquote bei den Kapitalanlagen um 2 % jeweils ein Ergebnisplus bei der Allianz von über 500 Mill. DM bewirken", rechnet Heese vor. Aus diesen Gründen hält der WGZ-Experte Versicherungswerte generell für interessant und überlegt, den Sektor von ?neutral? auf ?übergewichten? hochzusetzen. Darüber denkt auch DG-Bank-Experte Jörg Bungeroth nach. "Von der Rentenreform profitieren besonders Versicherer, die Vermögensverwaltung anbieten", sagt er. Aktuell schätzen die DG-Bank-Analysten die Aussichten für Versicherer als marktkonform ein, nachdem die Kurse 2000 stark zugelegt haben: Während der Dow Jones Euro Stoxx 50 1,6 % verloren hat, stieg der Euro-Stoxx-Index für Versicherungswerte um knapp ein Viertel.

"Für den Markt war die Entscheidung des Bundestages pro Rentenreform ein Non-Event", schränkt WestLB-Analyst Frank Stoffel allerdings ein. Dennoch sei das Potenzial der Versicherungstitel lange noch nicht erschöpft. Die Versicherungsexperten von Goldman Sachs rechnen mit kumulierten Zusatzeinnahmen bis zum Jahr 2010 dank der Riesterpläne von bis zu 16 Mrd. Euro. Gerade die Aktien von Versicherungsgruppen mit starker Ausrichtung auf Deutschland wie AMB und Ergo könnten überproportional von dem Zusatzgeschäft profitieren, meint Burdon. Grund: Für weltweit tätige Konzerne wie die Allianz dürfte sich das Zusatzgeschäft mit der Rieser-Rente in Deutschland im Vergleich zum Gesamtgeschäft recht klein ausnehmen. Goldman Sachs spricht der Ergo-Aktie Kurspotenzial von über 20 % zu. Auch Bungeroth lobt das sehr gute Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft von Ergo. Beim Krankenversicherer DKV verfüge Ergo über gute Expertise, um Langlebigkeitsrisiken zu berechnen, sagt ferner Stoffel. Beide stufen Ergo als "Kauf" ein. Auch AMB, Marktführer bei fondsgebundenen Lebensversicherungen, entwickle sich besser als der Markt.

Münchener Rück und Allianz blieben aber auch interessant, da der steuerfreien Verkauf von Beteiligungen noch Kursphantasie berge, meint Burdon. Münchener Rück profitiere auf der Erstversicherungsseite zudem vom Geschäft der Tochter Ergo, sagt Stoffel. Der Allianz fehlt es laut West LB allerdings an langjähriger Erfahrung mit fondsgebundenen Policen. Bungeroth mag ferner die niederländische Aegon, die über Vorsorge-Erfahrung am heimischen Markt verfüge.

Allerdings bringt die Rentenreform den Versicherern erst langfristig Zusatz-Profit. Die nicht mehr billigen Aktien dürften daher kurzfristig meist moderat klettern, meinen die Analysten. Stoffel von der WestLB erwartet binnen zwölf Monaten für Ergo ein Kursplus von gut 8 %, für Münchener Rück von knapp 4 %. AMB und Allianz traut er allerdings gut 20 % und 18 % zu.

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