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02.02.2001

15:05 Uhr

Atomgegner zu Gespräch eingeladen

Trittin sieht Grüne wegen Castor nicht vor Zerreißprobe

Die Mehrheit des Parteirats sei sich einig, dass Demonstrationen gegen den bevorstehenden Rücktransport von Atommüll aus Frankreich nach Gorleben "unklug" wären. Zuvor hatte Trittin mehrfach an seine Parteifreunde appelliert, nicht gegen die für Ende März/Anfang April geplanten Castor-Transporte zu demonstrieren.

ap BERLIN. Trotz des Streits um die Teilnahme an Protesten gegen Castor-Transporte sieht Umweltminister Jürgen Trittin die Grünen nicht vor einer Zerreißprobe. Jeder Grüne dürfe demonstrieren, wogegen er wolle, sagte Trittin am Freitag in Berlin. Die Mehrheit des Parteirats sei sich aber einig, dass Demonstrationen gegen den bevorstehenden Rücktransport von Atommüll aus Frankreich nach Gorleben "unklug" wären.

Zuvor hatte Trittin mehrfach an seine Parteifreunde appelliert, nicht gegen die für Ende März/Anfang April geplanten Castor-Transporte zu demonstrieren. "Die Demonstration von Grünen gegen die eigene Bundesregierung wird den Grünen nicht nützen, sondern schaden", sagte der Grünen-Politiker der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" (Freitagausgabe). Sinnvoll wären Demonstrationen für die Umsetzung des Atomkonsenses, der unter anderem die Laufzeit der Reaktoren und auch die Müllmenge reduziere, sagte er vor Journalisten in Berlin.

Er bestritt, dass er am Vorabend vor protestierenden Mitgliedern der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg "gekniffen" habe. Er habe stattdessen einen Termin in Hamburg wahrgenommen. Die Atomgegner und mehrere Umweltverbände habe er aber bereits vorige Woche für den 20. Februar zu einem Gespräch über die Castor-Transporte eingeladen.

Als Niedersachse verstehe er die persönliche Betroffenheit sehr gut, räumte Trittin ein. Wer die Gefahren der Atomkraft ernst nehme, dem falle es nicht leicht, "das radioaktive Erbe zu bewältigen, das die Atomkraftfanatiker hinterlassen" hätten. Doch auch die niedersächsischen Grünen hätten erklärt, dass sie dazu stünden, den deutschen Atommüll zurückzunehmen.

Auch Naturschutzverbände äußerten sich zu den Atomtransporten

Der Naturschutzbund Deutschland erklärte dazu, die Rücknahme sei nur dann zu vertreten, wenn kein neuer deutscher Abfall in die Wiederaufbereitung gebracht werde. Der Grund für den jetzigen Transport sei aber gerade, in der Wiederaufbereitungsanlage La Hague Platz für weitere deutsche Brennelemente zu schaffen, sagte Nabu-Energieexperte Frank Musiol der AP.

Greenpeace verlangte ein Verbot von Transporten in die Wiederaufbereitung. Energiefachmann Veit Bürger sagte, zwar müsse der deutsche Atommüll letztlich zurück in die Bundesrepublik geschafft werden. Doch gebe es keinen Grund, dies jetzt zu tun. Der Müll könnte in La Hague direkt für die Endlagerung vorbereitet und dann zurücktransportiert werden, sagte Bürger der AP.

Ob Greenpeace an dem Castor-Gespräch bei Trittin teilnehmen werde, ließ er offen. Die Umweltorganisation werde aber auf jeden Fall gegen den Castor-Transport demonstrieren.

Trittin riet abzuwarten, ob überhaupt weitere Transporte deutschen Atommülls in die Wiederaufbereitung stattfinden. Dies sei nur als Möglichkeit im Atomkonsens vorgesehen: "Ich würde abwarten, ob die Unternehmen davon Gebrauch machen werden. Der Weg ist teurer als Zwischenlagerung oder direkte Endlagerung."



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