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14.01.2004

11:20 Uhr

Auch bei der Sauerland-Konkurrenz macht man sich Gedanken

Wenn neben dem Ring geboxt wird

VonMichael Rosentritt

Das deutsche Berufsboxen liefert sich einen heftigen Schlagabtausch. Das Boxen hat den Ring verlassen und die erste Reihe erfasst. Boxmanager Wilfried Sauerland wird den Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) verlassen und unter österreichischer Lizenz Kampfabende veranstalten. Auslöser sind Querelen um den ehemaligen Vizepräsidenten des BDB, Hans Högner, dem rassistische und antisemitische Äußerungen nachgesagt werden.

BERLIN. Högner soll im November nach der Niederlage des Algeriers Ramdane Kaoune gesagt haben: "Selber schuld. Er hätte in der Trainingshalle nicht faul auf dem Bauch liegen sollen, sondern arbeiten gehen. Oder zurück nach Algerien." Gegenüber dem Promoter-Ehepaar Ruhling aus Holland soll er geäußert haben: "Die Mauer muss wieder aufgebaut werden." Und: "Alle Juden raus aus Deutschland." Edda Ruhling erklärte das an Eides statt. Högner drohte mit Verleumdungsklage.

"Dem Verband und Högner Ausländerfeindlichkeit vorzuwerfen, ist absurd", sagt BDB-Präsident Bodo Eckmann. Man habe mehr ausländische als deutsche Boxer lizenziert und sei den ausländischen Athleten etwa bei Aufenthaltsgenehmigungen behilflich. "Wir praktizieren täglich Integration." Högner hatte bereits im Mai 2003 sein Amt als Vizepräsident niedergelegt. Zu den neuerlichen Vorwürfen wollte er gestern keine Stellung beziehen: "Dazu sage ich nichts." Eckmann versucht zu beschwichtigen: "Sicherlich ist der Satz über den Algerier so gefallen, aber er wurde aus dem Zusammenhang gerissen. Ich stand ja neben Högner." Mit dem Austritt Sauerlands wird dem Verband jährlich ein sechsstelliger Betrag fehlen.

Sauerland sagt: "Ich habe keinen Rauswurf Högners verlangt, sondern eine Klärung der Vorwürfe. Unserem Anliegen wurde nicht entsprochen, darum haben wir jetzt gehandelt." Högner wird von Sauerland seit 2002 nicht mehr als offizieller BDB-Delegierter am Ring akzeptiert, ist aber noch immer Vizepräsident des europäischen Boxverbandes (EBU). Auch Sauerlands Sportkoordinator Hagen Doering, der gestern in Österreich über neue Lizenzen verhandelte, sagt: "Wir leben von unserem guten Ruf, und es gibt Leute, die diesen Ruf schädigen." Der frühere Büroleiter des ehemaligen Arbeitsministers Norbert Blüm hält Högner für "politisch umstritten. Seine Äußerungen als offizieller Repräsentant sind katastrophal und eine Gefahr für das deutsche Berufsboxen. Er muss bis zur Klärung der Vorwürfe suspendiert werden."

Auch bei der Sauerland-Konkurrenz macht man sich Gedanken. "Wenn die Äußerungen so gefallen sind, distanzieren wir uns zu hundert Prozent", sagt Peter Hanraths, Geschäftsführer der Universum Box-Promotion. Er deutet jedoch an, dass auch "eine persönliche Kontroverse" zwischen Sauerland und Högner im Vordergrund der momentanen Vorgänge stehen könnte. "Wir können Högner nicht vorverurteilen", sagt er vorsichtig.

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