Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2002

15:38 Uhr

Auch Branchenexperten sehen keine Existenzkrise

Aero Lloyd sieht sich nicht in der Krise

Die in finanzielle Schwierigkeiten geratene Charterfluggesellschaft Aero Lloyd hat einen Überbrückungskredit im Volumen von 20 Mill. ? erhalten. Die fünftgrößte deutsche Ferienfluggesellschaft bestätigte am Dienstag, dass sie wegen akuter Zahlungsprobleme im Dezember von ihrem Hauptgesellschafter, der Bayerischen Landesbank, den Überbrückungskredit erhalten habe. "Wir stecken aber nicht in der Krise", sagte Sprecher Asger Schubert.

rtr FRANKFURT/HANNOVER. Für den Sommer 2002 lägen bereits vertragliche Zusagen aller großen deutschen Reiseveranstalter mit einem größeren Volumen als im Vorjahr vor. Dass lasse einen Umsatzzuwachs im einstelligen Prozentbereich und ein positives operatives Ergebnis erwarten, sagte Schubert. Auch Branchenexperten wie der Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sahen Aero Lloyd "nicht in der Existenzkrise".

Die Charterfluggesellschaften befinden sich wie auch andere Fluggesellschaften nach den Anschlägen vom 11. September in Schwierigkeiten. Erst im Dezember wurde mit einer Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen vorerst die Pleite der Düsseldorfer Fluggesellschaft LTU nach mehrwöchigen Krisensitzungen abgewendet.

Bei Aero Lloyd könne aber von "Turbulenzen" wie bei der LTU keine Rede sein, sagte Schubert. Verantwortlich für die Zahlungsprobleme seien neben den Umsatzeinbußen nach dem 11. September das generell schwierige Winter-Geschäft im Flugtourismus.

Für 2001 rechnet Aero Lloyd dennoch mit einem Umsatzanstieg auf etwa 400 Mill. ? nach knapp 370 Mill. ? ein Jahr zuvor. Zum Gewinn könne er sich noch nicht äußern, sagte Schubert. 2000 hatte Aero Lloyd ein ausgeglichenes Ergebnis ausgewiesen. Für 2002 stützt sich Aero Lloyd eigenen Angaben zufolge neben den Vertragsabschlüssen auf Marktprognosen, die von einer Rückkehr der Reiselust bei den Deutschen ausgehen. Allerdings hat sich bislang die Zahl der Reisebuchungen in Deutschland nach dem heftigen Rückgang im Gefolge des 11. September bis heute nicht vollends erholt. Als entscheidend für die kommende Sommersaison gilt bei den Veranstaltern der Buchungseingang in den kommenden Wochen. Zudem sind die Überkapazitäten auf dem Markt der Charterflieger trotz der Stilllegung zahlreicher Maschinen vor allem in Deutschland noch immer nicht vollständig abgebaut.

Airline-Analyst Jürgen Pieper sieht Aero Lloyd nicht in Gefahr: "Der Markt zieht allmählich wieder an. Den 20-Millionen-Kredit sehe ich in der Tat als einmalige Finanzspritze." Die Bayerische Landesbank habe den Kredit auf Grundlage der Sommer-Kalkulation von Aero Lloyd im Dezember kurzfristig bewilligt, sagte Schubert.

Die Landesbank ist über ihre Beteiligungsgesellschaft Sigma mit 66,3 % seit 1998 Hauptgesellschafter der Aero Lloyd Flugreisen GmbH & Co. KG. Aero Lloyd verfügt über 19 Airbus-Maschinen, von denen gut die Hälfte geleast sind, und beschäftigt rund 1100 Mitarbeiter.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×