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07.01.2003

08:38 Uhr

Auch Buffalo Sabres angeschlagen

Sportlicher Höhenflug und finanzieller Absturz

VonGerd Braune (Handelsblatt)

Der Blick auf die Tabelle der National Hockey League (NHL) könnte jeden Fan der Ottawa Senators jubeln lassen: Die "Sens" sind das Spitzenteam unter den 30 Mannschaften. Schlagzeilen macht aber nicht der sportliche Höhenflug, sondern der drohende wirtschaftlichen Kollaps. Die NHL bemüht sich, dem Team ein Überleben bis zum Ende der Saison zu sichern.

OTTAWA. Die Gegner auf dem Eis sind derzeit die geringste Sorge der Senators. Nach dem Scheiterns eines Refinanzierungsmodells von Klub-Eigentümer Rod Bryden haben die Spieler Anfang Januar kein Gehalt bekommen. Die versuchen, sich trotzdem weiter auf ihren Job zu konzentrieren: "Auf dem Eis geht alles gut. Daher versuchen wir, nicht zu sehr an das andere zu denken", sagt Spieler Steve Martins.

Mit ihren Sorgen sind die Senators nicht allein. Als am Samstagabend in Buffalo die Buffalo Sabres und die Senators aufeinander trafen (Buffalo gewann 2:1 in der Verlängerung), war bereits vom Spiel um den "Konkurs-Pokal" die Rede. Denn beide Klubs sind wirtschaftlich besonders schwer angeschlagen. Die NHL hatte im Sommer 2001 die Kontrolle über die Buffalo Sabres übernommen. Sie hat dem Verkauf der Sabres an Geschäftsleute, die sich noch um weitere Finanzhilfen bemühen, bereits zugestimmt.

Bei den Senators spitzte sich die Lage Ende Dezember zu. Der Ottawa Senators Hockey Club hat Schulden in Höhe von gut 100 Millionen Euro. Der Versuch von Mehrheitseigentümer Bryden, die "Sens" an eine Kommanditgesellschaft zu verkaufen, scheiterte am Einspruch von zwei Gläubigerbanken. Investoren wollten 142 Millionen Euro einbringen. Die Gesellschaft hätte den Klub erworben, einen Teil der Schulden abgelöst und 40 Millionen Euro bereitgestellt, was das Überleben zunächst gesichert hätte.

Ottawa gehört zu den NHL-Spielorten mit geringem Werbeaufkommen und kleinem Einzugsgebiet. Die Krise der in Ottawa stark vertretenen Hightech-Industrie (Nortel, JDS Uniphase, Corel, Alcatel) führte zu einem Einbruch beim Verkauf lukrativer Sitzplätze an Kunden in der Industrie.

Im vergangenen Jahr musste Klub-Chef Bryden bei der NHL einen Kredit in Höhe von knapp 14 Millionen Euro aufnehmen. Weitere Gläubiger sind die Canadian Imperial Bank of Commerce, die Fleet Boston Financial, die Covanta Energy und J.P. Morgan.

Der drohende Kollaps rief die NHL auf den Plan. Nach einem Gespräch zwischen Klub, Gläubigern und Liga erklärte NHL-Chef Gary Bettman, es sei über ein Rahmenwerk für eine Finanzierung gesprochen worden, die es den Senators ermöglichen solle, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Man hoffe, in dieser Woche zu einer Vereinbarung zu kommen. Ein Konkurs der Senators bleibt trotzdem weiter im Gespräch. Gläubigerschutz könnte Bryden Zeit für eine Restrukturierung der Firmen bringen, heißt es.

Angesichts der Krise in der NHL sind Banken bei Finanzzusagen aber zurückhaltend. Nur wenige der auf 30 Klubs ausgeweiteten Liga sind sorgenfrei. Als Damoklesschwert werden die Verhandlungen zwischen Spielern und Liga gesehen. Der jetzige Rahmenvertrag läuft im Herbst 2004 aus. Sollte kein neuer Vertrag ausgehandelt werden, drohen der Liga, wie 1994, ein Spielerstreik, Aussperrung und Millionen-Verluste.

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