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26.01.2003

12:59 Uhr

Auch Clement sieht Probleme

Wirtschaft fürchtet Rezession bei Irak-Krieg

Sollte es zu einem Waffengang kommen, könne kein Mensch mehr eine Rezession in Deutschland ausschließen, erklärte BDI-Präsident Michael Rogowski.

dpa HAMBURG. Der drohende Irak-Krieg schürt in Deutschland die Angst vor einer Rezession. Das Land sei bereits jetzt nicht weit von einer Rezession entfernt, warnte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, am Sonntag. "Und wenn wir dann gar noch an Irak denken und was da noch passieren kann, dann kann das (eine Rezession) kein Mensch ausschließen." Europa würde durch einen höheren Ölpreis und negative Auswirkungen des steigenden Euro-Kurses "von zwei Seiten in die Zange genommen". Selbst ohne einen Irak-Krieg werde das Wachstum 2003 unter einem Prozent liegen, prognostizierte Rogowski.

Auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sieht einen drohenden Konjunkturrückschlag im Falle eines Irak-Feldzuges. "Ein Krieg würde die Lage natürlich erheblich verschlimmern - mit negativen Auswirkungen auf unsere Volkswirtschaft", sagte er der "Welt am Sonntag". "Aber wenn es in diesem Jahr nicht zum Krieg im Irak kommt, was Gott verhüten möge, wird sich auch der konjunkturelle Himmel im zweiten Halbjahr wieder aufhellen".

Bleibe ein Irak-Krieg aus, könne dies sogar wie ein wirtschaftlicher Befreiungsschlag wirken, meinte der Minister. Die Regierung rechne für dieses Jahr mit einem Wachstum der Wirtschaft um rund ein Prozent, bekräftigte er die bereits reduzierten Erwartungen. Die bisherige Prognose hatte bei 1,5 % gelegen.

Clement legt am kommenden Mittwoch seinen Jahreswirtschaftsbericht vor. Wie bereits vorher bekannt wurde, geht er darin von durchschnittlich 4,2 Mill. Arbeitslosen in diesem Jahr aus. Unbestätigten Zeitungsberichten zufolge wird im Januar mit 4,54 Mill. Arbeitslosen gerechnet - der höchste Stand seit 1998. Es wären 320 000 mehr Erwerbslose als im Dezember und 250 000 mehr als im Januar 2002, berichteten die "Bild"-Zeitung und "Die Welt" am Samstag weiter.

Der Wirtschaftsminister zeigte sich zuversichtlich, die Zahl der Arbeitslosen bei einer abgestimmten Regierungsarbeit schon bald unter die Marke von vier Mill. drücken zu können. Rogowski betonte dagegen im Deutschlandradio, das Wirtschaftswachstum werde in jedem Fall weit unter der Schwelle liegen, ab der neue Arbeitsplätze geschaffen werden. "Wir werden noch durch einen ganz kalten Winter gehen mit einer hohen Arbeitslosigkeit, die in Richtung von 4,5 Mill. gehen wird."

"Wenn es zu einem Krieg kommt, hoffe ich aus ökonomischer Sicht, dass er bald zu Ende ist", sagte Rogowski dem Fernsehsender n-tv. Er warnte vor den Gefahren durch hohe Ölpreise und den steigenden Euro- Kurs. Deutschland würde besonders unter einem dauerhaft starken Euro leiden, da der Export die wichtigste Stütze der Konjunktur ist. Zugleich zeigte sich der Industriepräsident für die Zukunft optimistisch: "Ich bin überzeugt, im Jahre 2004 wird die Konjunkturlandschaft schon wieder ganz anders aussehen." Schließlich gebe es im Schnitt alle zehn Jahre mal eine Rezession.

Führende Wirtschaftsmanager äußerten sich skeptisch über die nahen Konjunkturaussichten. "Das Jahr 2003 wird nicht besser als das vergangene", sagte Allianz-Vorstand Paul Achleitner der "Welt am Sonntag". Linde-Chef Wolfgang Reitzle sieht lediglich zum Jahresende eine Chance, dass die Stimmung drehen könnte. Am Dienstag wird mit dem ifo-Geschäftsklimaindex ein wichtiger Indikator für die Stimmung der Wirtschaft erwartet.

Der Ex-Wirtschaftsweise Juergen Donges mahnte rasche Reformen an. "Wenn sich Deutschland den gebotenen Strukturreformen verweigert, droht anhaltende Stagnation wie in Japan", warnte der Kölner Wirtschaftsprofessor der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

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