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14.01.2002

11:19 Uhr

Auch Dörfer von Raketen getroffen

US-Luftangriffe im Osten Afghanistans dauern an

Die US-Luftwaffe hat ihre Angriffe im Osten von Afghanistan in der Nacht zum Montag mit unverminderter Intensität fortgesetzt. Dabei wurden nach Berichten von Einheimischen auch mehrere Dörfer angegriffen und zahlreiche Zivilisten getötet.

ap KANDAHAR/SYDNEY. Die US-Streitkräfte verlegten 30 weitere mutmaßliche El-Kaida-Kämpfer von ihrem Stützpunkt in Kandahar zur Marinebasis Guantanamo auf Kuba.

Die Angriffe richteten sich wie in den vergangenen Tagen vor allem auf das Höhlengebiet von Schawar und dessen Umgebung nahe der pakistanischen Grenze. Das Pentagon teilte unter Berufung auf Geheimdienstinformationen mit, verstreute El-Kaida-Kämpfer sammelten sich in dem Gebiet, um von dort aus das Land zu verlassen. Der Sicherheitschef von Chost, Sur Gul, sagte, in den unterirdischen Tunnels hielten sich pakistanische, tschetschenische und arabische Kämpfer auf.

Der Flüchtling Noors Ali berichtete von pausenlosem Bombardement des Gebiets. In seinem Dorf seien die meisten der 35 Häuser zerstört worden. "Dort gibt es nur noch Tote", sagte Ali. "Es waren mehr Bomben und Raketen, als ich zählen konnte." Unterdessen flog die US-Luftwaffe 30 weitere mutmaßliche El-Kaida-Kämpfer von Kandahar nach Kuba. Auf dem Stützpunkt in Kandahar waren am Montag noch 361 Gefangene interniert. Dort sind insgesamt 3100 Soldaten stationiert. Bereits am Donnerstag waren 20 Gefangene nach Guantanamo gebracht worden.

El Kaida plante offenbar Anschläge auf westliche Politiker

Das Terrornetzwerk El Kaida plante Medienberichten zufolge offenbar Attentate auf westliche Staatsmänner. Der australische Fernsehsender ABC sendete am Sonntagabend Auszüge eines Videos, das in einem El-Kaida-Ausbildungslager in Afghanistan entstanden sein soll und Kämpfer zeigt, die für Attentate und Geiselnahmen trainieren.

Unter anderem probten die Kämpfer detailliert einen Angriff auf eine Autokolonne und einen Anschlag auf mehrere Politiker während eines Golfturniers. Der Angriff auf die Fahrzeugkolonne sollte offenbar in Washington spielen. Die arabischen, pakistanischen und afrikanischen Kämpfer benutzten bei dem Training scharfe Munition, wie ABC berichtete.

Das Video wurde dem Sender nach eigenen Angaben von Soldaten der afghanischen Nordallianz übergeben. Diese wollen es nach der Flucht der Taliban aus Kabul in einem Ausbildungslager der El Kaida in der Nähe der Hauptstadt gefunden haben. Das Video hat eine Länge von sechs Stunden.

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