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22.06.2000

19:00 Uhr

Auch drei ostdeutsche Kommunen bekunden Interesse an Veag-Beteiligung

Veag-Eigner sollen beim Verkauf Maß halten

Bundeskanzler Schröder hat sich bei der Eröffnung des neuen Braunkohlekraftwerkes in Lippendorf für einen zügigen und reibungslosen Verkauf der Veag-Anteile ausgesprochen. Ist der Verkauf des ostdeutschen Stromkonzerns nicht bis Ende dieses Jahres abgeschlossen, droht die Einsetzung eines Treuhänders.

mhm LIPPENDORF. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Eigentümer des ostdeutschen Stromkonzerns Veag aufgefordert, die anstehenden Verkaufsverhandlungen nicht durch überzogene Kaufpreisforderungen zu erschweren.

Bei der Eröffnung des für 4,8 Mrd. DM neu errichteten Braunkohlekraftwerks in Lippendorf südlich von Leipzig sagte Schröder, wesentliche Anteile der bisher von der Veag vorgenommenen Investitionen von 17 Mrd. DM seien von den ostdeutschen Stromkunden bezahlt worden. Er führe zwar nicht die Verkaufsverhandlungen, "aber die Fairness gebietet es, dass dieser Aspekt bei den Preisverhandlungen mit realisiert wird", sagte der Kanzler. Die westdeutschen Veag-Erwerber hatten dem Bund 1994 zwei Mrd. DM gezahlt, vier Mrd. DM waren zudem aus Veag-Kassen geflossen.

Schröder sprach sich für einen "zügigen und reibungslosen" Verkauf der Veag-Anteile aus. Von den neuen Eigentümern forderte Schröder, sie müssten die Veag als eigenständigen ostdeutschen Energieversorger entwickeln, die Arbeitsplatzzusagen ebenso wie die Mitwirkungsrechte von Belegschaft und Gewerkschaft garantieren sowie die Verstromung ostdeutscher Braunkohle sichern, wie es im Privatisierungsvertrag der Veag festgelegt sei.

Die Veag war 1994 von der Treuhandanstalt privatisiert worden. Änderungen des bis in das nächste Jahrzehnt laufenden Privatisierungsvertrages bedürfen der Zustimmung der Bundesregierung. Vor diesem Hintergrund wurde Schröder mehrfach von Vertretern der Belegschaft, aber auch vom Chef der Chemiegewerkschaft IG BCE, Hubertus Schmoldt, aufgefordert, seinen Einfluss bei der Wahl der künftigen Eigentümer auszuüben.

Im Rahmen der Fusionen von Veba und Viag sowie von RWE und VEW müssen diese Unternehmen sich von ihren Anteilen trennen. Zusammen halten sie etwas mehr als 81 % an der Veag.

Die Vorbereitungen dafür laufen bereits. Nach Informationen des Handelsblatts wird die so genannte Due Dilligence am 7. Juli beginnen. Das Informationsmemorandum soll dann am 21. Juli den potenziellen Interessenten ausgehändigt werden. Der Beginn der abschließenden Verhandlungen ist von den Investmentbankern für den 2. Oktober vorgesehen. In Kreisen der beteiligten Firmen wird deshalb auch davon ausgegangen, dass der Verkauf bis zum Jahresende vollzogen wird. Andernfalls drohe nach den Auflagen der EU-Wettbewerbshüter die Einsetzung eines Treuhänders.

Neben den beiden Bietergemeinschaften Southern Energy und Bewag sowie Vattenfall, HEW und NRG Energy haben nun mit Leipzig, Chemnitz und Halle auch drei ostdeutsche Kommunen ihr Interesse an einer 25-Prozent-Beteiligung an der Veag bekundet.

Das Kraftwerk Lippendorf wird von der Veag betrieben, auch wenn einer der beiden 933-MW-Blöcke den Stromkonzernen Bayernwerk und ENBW gehört. Lippendorf ist das zweite fertig gestellte Kraftwerksneubauprojekt der Veag in Ostdeutschland.

Mit der Modernisierung geht ein erheblicher Abbau von Arbeitsplätzen einher. Statt früher 3000 werden in dem neuen Kraftwerk Lippendorf nur noch 300 Mitarbeiter beschäftigt. Mit rund 20 000 Mitarbeitern findet in der ostdeutschen Energie- und Bergbauwirtschaft nur noch jeder siebte der vor der Wende dort Beschäftigten Arbeit.

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