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12.03.2003

08:13 Uhr

Auch für Fernsehauftritte

Schärfere Regeln für Analysten

VonKathrin Quandt (Handelsblatt)

Die deutsche Finanzaufsicht verschärft die Regeln zur Offenlegung möglicher Interessenkonflikte von Analysten. Der Analystenverband applaudiert - aber für die Medien wäre das eine Revolution.

FRANKFURT/M. Ein Analyst der Deutschen Bank sagt im Fernsehen, welche Entwicklung der T-Aktie er erwartet. Parallel wird ein Tickerband eingeblendet, auf dem zu lesen ist: "Die Deutsche Bank gehörte zum Emissionskonsortium, das die Deutsche Telekom an die Börse führte."

So ähnlich dürfte es bald ablaufen - denn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat die Transparenzvorschriften für die Arbeit der Analysten konkretisiert und verschärft. Der § 34 des Wertpapierhandelsgesetzes ist zwar schon seit Mitte 2002 in Kraft, bis gestern fehlte aber die genaue Auslegung.

Die Finanzmarktaufseher stellen nun klar: Der Begriff der Wertpapieranalyse umfasse auch über das Fernsehen verbreitete Analysen. Die Offenlegungspflichten gelten also auch hier. Der Hintergrund: Derartige publikumswirksame Auftritte von Analysten waren in der Vergangenheit vor allem für die Entscheidung von Kleinanlegern bedeutend.

Bankenvertreter konnten sich somit nicht mit ihrem Einwand durchsetzen, Fernsehauftritte außen vor zu lassen. Denn die Branche hatte bemängelt, dass auch bei Fernsehauftritten von Analysten Hinweise auf mögliche Interessenkonflikte wie Beteiligungen ihrer Arbeitgeber eingeblendet werden sollten.

Ende November hatte die Bafin einen Entwurf zur Auslegung dieses Mitte 2002 eingeführten Paragprahen vorgestellt; nach Kritik aus den Bankenkreisen wurde dieser intern überarbeitet. Bankvertretet hatten vor allem bemängelt, dass auch bei Fernsehsehauftritten Hinweise auf mögliche Interessenskonflikte wie Beteiligungen eingeblendet werden sollten.

Günter Birnbaum, Abteilungsleiter für den Anlegerschutz bei der BaFin, erläutert den neuesten Stand der Vorgaben: Handelt eine Bank mit Aktien, über die sie Analysen veröffentlicht, muss sie dies offenlegen. Die Angabe der genauen Höhe des Handelsbestands ist aber nicht erforderlich. Damit fällt der Handelsbestand nicht unter die Regel, wonach alle Beteiligungen an analysierten Unternehmen von mindestens einem Prozent bekannt zu geben sind.

Ein wichtiger - neuer - Punkt ist: Netto-Verkaufspositionen der Bank in Höhe von mindestens einem Prozent am Grundkapital der analysierten Gesellschaften müssen veröffentlicht werden. Birnbaum erklärt: Wenn Finanzdienstleister Verkaufsempfehlungen abgeben und selbst eine solche Verkaufsposition halten, könnten sie Druck auf Aktien ausüben - und sich später zu niedrigen Kursen eindecken. Das sei vor allem im Hinblick auf Strategien der Hedge-Funds wichtig.

Darüber hinaus verlangt die BaFin Hinweise auf mögliche interne Interessenkonflikte, soweit der Finanzdienstleister "nicht geeignete organisatorische Maßnahmen" ergriffen hat, wie etwa klare Abgrenzungen von Investmentbanking und Analyse ("Chinese Walls").

Die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) hat die Auslegung als praxisgerecht begrüßt und betont, auch der DVFA-Kodex verpflichte die Analysten, Interessenkonflikte offenzulegen.

Innerhalb der Medien dürften die Regeln aber eine Revolution auslösen: Die Einblendung dieser Hinweise dürfte Fernsehbeiträge zähflüssiger erscheinen lassen, und auch den Printmedien dürfte es aus zeitlichen und inhaltlichen Gründen Schwierigkeiten bereiten, jedes Mal diesen Regeln Folge zu leisten. In den USA, die schon lange strikt gegen Insiderhandel vorgehen, steigen die Medienvertreter bereits auf die Barrikaden.

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